12. Februar 2016
ROBERT HALVER IN DEN MEDIEN
Der wöchentliche Kapitalmarkt-Ausblick von Robert Halver - jetzt als Video-Kolumne auf maxblue.de.
DER MARKT UNTER DER LUPE
Wenn die Weltkonjunktur leidet, leiden auch deutsche Aktien
GRAFIK DER WOCHE
Euro-Krisensymptome 2.0
Breitere Dimension der US-Konjunkturschwäche
US-Notenbank: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt
Aktuelle Marktlage - Wer Angst an den Finanzmärkten zulässt, spielt mit dem fundamentalen Feuer
Anlegerstimmung und Charttechnik - Überverkaufte Aktienmärkte bieten Chancen
Charttechnik DAX und Euro Stoxx 50 - Wunden lecken
Der Wochenausblick für die KW 7 - Nach der Neujahrspause spielt Aktien-China wieder mit
HALVERS WOCHE
VOLKSWIRTSCHAFTLICHE PROGNOSEN AUF EINEN BLICK
KAPITALMARKT AUF EINEN BLICK
WEITERE NEWSLETTER DER BAADER BANK
DER MARKT UNTER DER LUPE
Angst ist ein schlechter Ratgeber, auch an den Aktienmärkten
Viele Anleger sehen in der Stimmungsverschlechterung an den Finanzmärkten bereits Vorboten einer systemischen Krise wie 2008. Diese strahlt offenbar kräftig auf die realwirtschaftliche Stimmung aus. So stellt das ifo Institut eine spürbare Abkühlung der Weltwirtschaft fest: Setzt man die Einschätzung der globalen Geschäftslage und -erwartungen für das I. Quartal 2016 zueinander in Beziehung, befindet sich die Weltkonjunktur vor allem angesichts der eingetrübten Erwartungen in der Rezession. Bei näherer Betrachtung kam es in den USA und Europa zu einer merklichen Wirtschaftseintrübung.


Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank
Grafik: ifo Konjunkturmatrix der Weltwirtschaft





Wenn die Weltkonjunktur leidet, leiden auch deutsche Aktien
Die schlechte weltwirtschaftliche Stimmung bekommen insbesondere konjunkturzyklische Aktien, z.B. aus dem Mittelstandsindex MDAX zu spüren.
Grafik: ifo Geschäftserwartungen für die Weltwirtschaft und deutscher Mittelstands-Aktienmarkt (MDAX)

Gleichlauf steigender Aktien- und Anleihekurse ist beendet

Risikovermeidung scheint momentan oberstes Anlegergebot zu sein. Der DAX bewegt sich seit seinem Zwischenhoch Ende November in einem Bärenmarkt. Als vermeintlich sichere Anlagehäfen fungieren deutsche Staatsanleihen. Dabei ist das Sicherheitsbedürfnis so stark ausgeprägt, dass sie sogar negative Renditen bis zur Laufzeit von acht Jahren in Kauf nehmen. Der Bund Future hat erneut Allzeithochs erklommen. Die Verunsicherung zeigt sich auch darin, dass der von der Liquiditätspolitik der EZB eingeleitete Gleichlauf steigender Aktien- und Anleihekurse seit 2009 beendet ist.
GRAFIK DER WOCHE
Bund Future und Dax Future
Grafik: Bund Future und Dax Future



Sogar das Rettungsversprechen der EZB wird angezweifelt
Euro-Krisensymptome 2.0
Für zusätzliche Irritationen an den Finanzmärkten sorgen die nun offen zutage tretenden Folgen des Ölpreisverfalls. Schätzungen zufolge ist ein Drittel der Energieanleihen der US-Fracking-Industrie akut ausfallbedroht. Entsprechende Abschreibungen in der europäischen Finanzindustrie, die hier auch kräftig investiert haben, werden sich nicht verhindern lassen. Das verleiht dem altbekannten Euro-Krisensymptom „Bankenkrise“ neue Nahrung. Und wo von Bankenkrise gesprochen wird, sind auch skeptische Blicke auf Staatsanleihen der Euro-Peripherie nicht weit. Insbesondere Staatsfonds aus den Rohstoffländern, deren Verlusttoleranz mit Blick auf schwache Energieeinnahmen ohnehin begrenzt ist, fahren vorsichtshalber ihre Positionen in Staatsanleihen zurück. Die neuerlichen Finanzprobleme von Griechenland, aber auch Portugal wirken dabei als Verkaufskatalysator. Die hohen Buchgewinne wollen die Vermögensverwalter der Staatsfonds nicht riskieren. Im Gegenteil, realisierte Kursgewinne sollen bei der Sanierung ihrer angeschlagenen Staatshaushalte bzw. bei der Stützung ihrer Volkswirtschaften helfen. Ein deutlicher Anstieg bei 10-jährigen Staatsanleiherenditen in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland ist tatsächlich unverkennbar.
Grafik: 10-jährige Staatsanleiherenditen in der Eurozone







Breitere Dimension der US-Konjunkturschwäche
Auch die Stabilität der US-Wirtschaft ist ins Wanken geraten. Es mehren sich die Bedenken, dass die seit Oktober 2015 rezessive Stimmung in der US-Industrie - als Folge der Schwäche am US-Energiesektor und psychologisch angefacht durch die Leitzinswende der Fed - sogar auf den gesamtwirtschaftlich wesentlich bedeutenderen Dienstleistungssektor übergreifen könnte. Diese breitere Dimension der US-Konjunkturskepsis schlägt sich in einem verschärften Abwärtsdruck an den US-Aktienmärkten nieder.
Grafik: ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe und US-Aktienmarkt
Grafik: ISM Index Dienstleistungssektor und US-Aktienmarkt


























Die Tür zum Ende der Zinswende ist aufgestoßen

US-Notenbank: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt
US-Notenbankpräsidentin Yellen ist ein gebranntes Kind. Als Direktoriumsmitglied der Fed hat sie die Immobilienkrise und ihre fatalen Folgen „hautnah“ miterlebt. Im Rahmen ihrer halbjährlichen Befragung vor dem US-Kongress hat sie bereits eingeräumt, dass die aktuellen Verwerfungen an den Finanzmärkten die US-Konjunkturstimmung weiter eintrüben könnten. Und als „außenpolitische“ US-Notenbankpräsidentin wird sie nicht müde, darauf hinzuweisen, dass auch das angeschlagene weltkonjunkturelle Umfeld Risiken für die US-Exportwirtschaft birgt.

Ihre neue „taubenhafte“ Rhetorik ist auch deshalb bemerkenswert, weil sie die Möglichkeit negativer Leitzinsen in den USA - zumindest als theoretische Planungsgröße - nicht mehr ausschließt. Da Notenbankpräsidenten und -präsidentinnen ihre Worte sehr vorsichtig wählen, sind ihre Ausführungen noch beachtlicher. An dieser Stelle sei an die erneut aufgeflammte Diskussion über die Bargeldabschaffung erinnert, die zwingende Bedingung für die flächendeckende Einführung von Negativzinsen ist.

Übersetzt auf die zukünftige Zinspolitik der Fed heißt dies insgesamt, dass die nächste Leitzinserhöhung erst Ende des Jahres erfolgen wird, wobei es allerdings ein großes sogenanntes „downside risk“ gibt, dass die Zinswende bereits am Ende ist.

Mit der Stärke des japanischen Yens bzw. des Euros unterstreichen die Devisenmärkte diese Einschätzung deutlich.
Grafik: Entwicklung wichtiger Währungen, handelsgewichtet seit Anfang 2015







Aktuelle Marktlage - Wer Angst an den Finanzmärkten zulässt, spielt mit dem fundamentalen Feuer
Zinslosigkeit, Risikoaversion, Deflationsängste und geopolitische Konflikte sind starke Argumente für die aktuelle Renaissance von Edelmetallen. Tatsächlich zeigt der seit Anfang 2013 festzustellende Abbau physisch gehaltener Goldbestände seit Anfang 2016 eine Trendwende.
Grafik: Weltweite physische Goldbestände gehalten von börsengehandelten Fonds und Goldpreis


Sobald sich die Wogen an den Finanzmärkten glätten, wird sich der Goldpreis wieder normalisieren. Und dennoch war, ist und bleibt Gold in einer Finanzwelt, die kein Stabilitätspolitisches Leitplankensystem mehr hat, ein wichtiger Bestandteil im Anlageklassenmix. Hierbei geht es jedoch mehr um langfristigen Vermögenserhalt, weniger um kurzfristige Renditeerwirtschaftung. Angesichts einer aus den Grundfesten gehobenen Finanzwelt werden wir irgendwann einen Preis zahlen müssen. Und dann kommen die goldenen Zeiten der Goldbesitzer.

In der Zwischenzeit wären die Notenbanken schlichtweg dumm, wenn sie eine nachhaltige Bankenkrise mit all den hässlichen Nebenwirkungen wie Staatsschuldenkrisen, Investitionsflauten, Deflation und Rezession zuließen. Angesichts eines bereits faktisch bestehenden Nullzins-Szenarios würden ihnen ansonsten bei einer auch nur annähernd wie 2008 ablaufenden Krisen die kompensierenden Zinssenkungshebel fehlen. De facto sind die Notenbanken am Ende mit ihrem Zins-Latein.

In puncto Konjunkturförderung besitzen die Notenbanken nicht mehr ihre frühere Durchschlagskraft. Aber bei der psychologischen Stabilisierung der Finanzmärkte sind sie noch Herr des Verfahrens und müssen es auch sein, damit eine nachhaltig schlechte Finanzstimmung die tatsächlich deutlich bessere fundamentale Lage, z.B. in China, nicht zerstört. Wer Angst an den Finanzmärkten zulässt, spielt mit dem fundamentalen Feuer.

Dringend geboten ist aber ein konzertiertes, aufeinander abgestimmtes Vorgehen der großen internationalen Notenbanken. Nicht jede Notenbank darf autonom die geldpolitische Schwächung bzw. Manipulation ihrer Landeswährung betreiben. Wenn alle ihre Währungen schwächen wollen, wird dies niemandem gelingen. Es ist ein Nullsummenspiel, das nur zu noch größerer Liquiditätsschwemme und damit zu noch mehr Fehlallokationen und Blasenbildungen bei Anlageklassen führt, die der permanenten Gefahr ausgesetzt sind, bei der kleinsten Verunsicherung zu platzen.

Das alte EWS-System mit eingeschränkten Bandbreiten sollte auch auf die großen Weltwährungen Anwendung finden. Volatilitäten, wie sie zurzeit zu beobachten sind, erschweren nicht nur die Kalkulation für Export- und Importfirmen, sondern führen auch zu plötzlichen und dramatischen Portfolioumschichtungen bzw. Kapitalfluchten. Die damit ausgelösten Stimmungsschwankungen haben wiederum negative Auswirkungen auf die reale Wirtschaft.





Anlegerstimmung und Charttechnik - Überverkaufte Aktienmärkte bieten Chancen
Die markant schwache Aktienstimmung ist als Kontraindikator anzusehen. Die extrem überverkauften Märkte bieten in den nächsten Wochen Einstiegschancen.
Grafik: Anteil der Optimisten am US-Aktienmarkt minus Anteil der Pessimisten, in Prozent





Aktienrückkaufprogramme haben sich in den vergangenen Jahren regelmäßig als solide Aktienstütze erwiesen. US-Unternehmen nutzen die rekordniedrigen Zinsen für Fremdkapital finanzierte Aktienrückkäufe, um sich von höheren Dividendenrenditen freizukaufen. Das ist sozusagen eine Dividendenverhinderungsstrategie. Auch in diesem Jahr dürften sie das aktuell niedrige Kursniveau als willkommenen Anlass für weitere Rückkäufe nutzen. Das geschätzte Aufkaufvolumen von rund 450 Mrd. US-Dollar liegt dabei klar über dem Durchschnitt der letzten vier Jahre.
Grafik: (Geschätzte) Aktienrückkäufe von US-Unternehmen, Mrd. US-Dollar



Charttechnik DAX und Euro Stoxx 50 - Wunden lecken
Charttechnisch liegt im DAX die erste Unterstützung bei 8.740 Punkten. Weitere Haltelinien folgen bei 8.500 und am Tief des Jahres 2014 bei 8.355. Erkämpft sich der DAX die Marke von 9.300 Punkten zurück, liegen darüber weitere Widerstände bei 9.325, 9.563 und schließlich 9.905 Punkten.

Wird im Euro Stoxx 50 die Unterstützung bei 2.789 Punkten deutlich durchbrochen, warten die nächsten Auffanglinien zwischen 2.700 und 2.650 sowie zwischen 2.550 und 2.500 Punkten. Auf der Oberseite liegt der erste Widerstandsbereich zwischen 2.850 und 2.870. Darüber verlaufen weitere Barrieren bei 2.950, 2.990 und 3.137 Punkten.





















ZEW Konjunkturerwartungen angeschlagen
Der Wochenausblick für die KW 7 - Nach der Neujahrspause spielt Aktien-China wieder mit
Nach der Neujahrspause wird in Asien wieder normal gehandelt. Das gibt Chinas (Geld-)Politik Gelegenheit, endlich die Stabilisierung des Aktienmarkts in Angriff zu nehmen, die auch zu einer Beschwichtigung der chinesischen Konjunktursorgen führte.

Unabhängig davon können in China wieder steigende Export- und Importzahlen im Januar für ein Abschwellen der Konjunkturängste sorgen. Dagegen wird Japan mit einer Schrumpfung seiner Wirtschaftsleistung im IV. Quartal 2015 und einem Exporteinbruch im Januar rezessive Signale aussenden.

In den USA bleibt der Immobiliensektor gemäß Daten zu Baubeginnen und -genehmigungen und die Industrieproduktion im Januar zwar stabil, doch können sie die volkswirtschaftlichen Zweifel nicht ausräumen. Entsprechend wird das Protokoll der letzten Sitzung der Fed auf Signale in puncto Aussetzung weiterer Leitzinserhöhungen oder gar deren Ende untersucht.

In Deutschland bleibt die Wirtschaftsstimmung laut ZEW Konjunkturerwartungen angeschlagen.


Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank
HALVERS WOCHE
Wer 2016 den Gestank neuer Finanzkrisen zulässt, hat aus den Stinkbomben von 2008 nichts gelernt
Auf die aktuelle Anlegerstimmung passt das Bild der gerade angebrochenen Fastenzeit. So mancher Anleger fühlt sich sogar an das Schicksalsjahr der Finanzwelt 2008 erinnert. Kommt es 2016 wieder genauso heftig? Damals kam es zur bis dato größten Krise des Finanzsystems, als zunächst die Immobilienblase platzte, dann die Finanzmärkte und schließlich die Weltkonjunktur einbrachen.

Mit dramatischer Neuverschuldung konnten sich die Banken und die Weltwirtschaft wieder fangen. Doch die Refinanzierung der staatlichen Stützungspakete war den Staaten nicht mehr möglich. Mit Leitzinsen von quasi Null, Renditedrückungen zur günstigeren Schuldenfinanzierung und schließlich dem Aufkauf von Schulden, konnten Fed, EZB & Co. den finalen Finanzsystem-Crash verhindern.























Besonders heil ist sie nicht!
Wie heil ist die Finanzwelt von 2016?
Doch weiß jeder, dass eine systemgefährdende Staatsschuldenkrise in Europa ähnlich wie unreine Haut nur durch viel Make-Up bislang gut verdeckt wurde. Und die finanzielle Gesundung Griechenlands ist so unwahrscheinlich wie die menschliche Besiedlung des Mars. Die Eurozone kommt - wie man im Ruhrgebiet sagt - nicht in die Pötte.

Tatsächlich riecht es 2016 wieder streng nach Finanzkrise: Viele der Energieanleihen aus der US-Fracking-Industrie sind notleidend und genau diese Not spüren jetzt auch viele europäische Banken, die in sie liebend gerne investiert haben. Einen Vorwurf kann man ihnen nicht machen: Fracking galt als zukunftsweisende alternative Ölfördermethode, um aus der Abhängigkeit von OPEC-Öl zu entkommen. Energieanleihen waren ein willkommener Exit aus renditeseitig nicht mehr satisfaktionsfähigen Staats- und Unternehmenspapieren.

Ohnehin kommt bei Banken aktuell keine Freude auf. Die Daumenschrauben der Regulierung, gewaltige Abschreibungen und inflationsartige Strafprozesse sind so etwas wie Aschermittwoch, Karfreitag und Volkstrauertag gleichzeitig an einem Tag.

Für Verunsicherung sorgen nicht zuletzt die Staatsfonds der Rohstoff- und Schwellenländer. Im Finanzwald bewegen sie sich wie Wilddiebe, die in allen Anleihesegmenten und bei Devisenreserven Kasse machen, um Liquidität für ihre schwächelnden Konjunkturen zu beschaffen. Selbst Hedgefonds sagen beim Abschied aus ihren Investments leise Servus und machen Kasse. Den Verlusten aus Ölgeschäften und aufgrund schlechter Konjunkturstimmung wollen sie nicht länger zuschauen. Liquidität ist in.










Eine Cash is King-Haltung ist das Schlimmste, was Finanzmärkten passieren kann
Wenn der Wunsch nach Liquidität aufkommt, müssen alle Alarmglocken erklingen
Eine Cash is King-Haltung ist das Schlimmste, was Finanzmärkten passieren kann. Das haben wir schon 2008 gesehen. Damals waren selbst Finanz- und Geldpolitiker völlig von den Socken, dass die Pleite der kleinen Investmentbank Lehman - der ohne Einlagen- und Kreditgeschäft so viel Bedeutung für die Realwirtschaft zukam wie einem Tauchsieder für die Aufheizung der Nordsee - die Finanzwelt fast ruiniert hätte.

Das Problem war aber eben nicht die Pleite dieser Bank selbst, sondern die anschließend grassierende Risikoaversion. Auf einmal trauten sich die Finanzakteure - auch wenn sie sich wie alte Ehepaare jahrzehntelang kannten - nicht mehr über den Weg. Aus präventivem Misstrauen wurden die Portemonnaies zugenagelt und früher noch gut durchflutete Finanzmärkte waren plötzlich staubtrocken wie die Wüste Gobi. Und schließlich hatte auch niemand mehr Muße und Geld in die Realwirtschaft zu investieren. Die Welt geriet in die Rezession.





Misstrauen am Finanzmarkt ist die Ursünde schlechthin
Anflüge dieses Misstrauens sind auch heute bereits wieder zu beobachten. Das Kreditrisiko europäischer Banken hat seit Jahresanfang wieder deutlich zugenommen. Nicht umsonst verliert der europäische Bankenindex relativ zum europäischen Aktienleitindex (Stoxx 600 Europe) markant.
Grafik: 5J Kreditrisiko europäischer Banken und europäischer Bankenindex relativ zum europäischen Aktienleitindex (Stoxx 600 Europe)

Trotz EZB-Allmacht Ohnmacht an den Staatsanleihemärkten?











Der Prinz war bei Dornröschen erfolgreicher als die Geldpolitik bei der Konjunktur
Selbst bei Staatsanleihen im Euro-Raum ist eine finanztechnisch unlogische Flucht in Sicherheit auszumachen: Während Deutschland auf dem Weg zu neuen Allzeit-Renditetiefs bei 10-jährigen Staatsanleihen ist, tendieren Renditen in Spanien, Italien und Portugal schwungvoll nach oben. Das ist absurd, denn die EZB hatte doch mit ihrem Euro-Rettungsversprechen seit 2012 und schließlich ihren tatsächlichen Staatsanleiheaufkäufen - die netto mehr Staatspapiere aufkaufen als durch Neuverschuldung hinzukommen - das Thema Staatsschuldenkrise eigentlich gelöst.

Sicherlich kann man der Geldpolitik nicht unterstellen, dass sie bislang die Realwirtschaft wirklich wachgeküsst hat. Die Gute scheint einen besonders tiefen Schlaf zu haben. Da war der Prinz bei Dornröschen erfolgreicher.

Grob fahrlässig wäre es aber, wenn die Notenbanken ihre psychologische Lufthoheit über den Finanzmarkt-Stammtischen verlieren. Wenn die Geldpolitik Finanzkrisen nicht von Anfang an bekämpft, darf man sich über eine galoppierende Risikoaversion an den Finanzmärkten nicht wundern, die früher oder später auch jede noch vorhandene gute Stimmung in der Realwirtschaft ins Gegenteil verkehrt.











Die US-Zinswende im Dezember war ein Fehler
Aus einer Finanzmarkt-Mücke wird schnell ein systemgefährdender Elefant
Allein das „Zinserhöhungsgerede“ in den USA kommt stimmungsseitig dem Verdünnen der Party-Bowle mit Mineralwasser gleich. Schon eine einzige US-Zinserhöhung von 0,25 Prozentpunkten im Dezember sorgte für Kapitalabzug aus den Schwellenländern. Die US-Zinswende im Dezember war ein Fehler.

Ein noch viel größerer Fehler wäre jetzt ihre sture Fortsetzung. Man muss der Deflation ja nicht noch mehr Nahrung geben. Unser seit 2008 wieder mühsam aufgebautes Weltfinanzsystem wäre dann so brüchig wie ein Gartenhäuschen, das vom Holzwurm befallen ist.

Aber auch Chinas Notenbank hat keinen Anlass, sich geldpolitisch zurückzulehnen. Es wird tatsächlich immer noch zwischen drei und vier Prozent - die offiziellen Zahlen von 6,5 Prozent kommen von den Brüdern Grimm - wachsen. Damit könnten China und die Weltwirtschaft leben. Sollte man aber lange genug auf der Seele der chinesischen Aktionäre herumtrampeln, wird irgendwann aus schlechter Marktpsychologie Risikoaversion, dann Konsum- und Investitionsunlust und schließlich Wachstumsschwäche. Ich bin kein Freund von sozialistischer Planwirtschaft, aber um über die Stabilität der Finanzmärkte auch Ruhe in den chinesischen Konjunktur-Karton - die Lage ist ohnehin besser als die Stimmung - zu bringen, wird sie jetzt dringend gebraucht.
Grafik: Wirtschaftswachstum und Aktienmarkt in China



















Eine laxe Geldpolitik ist zwar nicht alternativlos, aber die Alternative riecht nach Währungsreform à la 1948
Notenbanken hört die Finanzmarkt-Signale: Aufgescheuchte Hühner legen keine Eier
Jetzt das geldpolitische Breitbandantibiotikum zu verknappen, lässt die alten Krisenviren wieder zum Vorschein kommen. Im Extremfall waren alle Maßnahmen seit 2008 für die Katz. Wer 2016 neue Finanzkrisen zulässt, hat aus der Finanzkrise von 2008 nichts gelernt. Das sage ich auch vor dem Hintergrund einer Europa-Politik, die als Debattierclub sofort ins Guinness Buch der Rekorde kommt, sich aber in puncto Lösungen gerne zurückhält und damit nur für eins sorgt: Verunsicherung!

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich als Stabilitäts-Kind wünsche mir eine stabilitätsgerechte Geldpolitik mit auch wieder höheren Anlagezinsen zurück. Die Deutsche Bundesbank gehörte mit zum Besten, was Deutschland seit dem II. Weltkrieg passiert ist. Doch angesichts hoch verunsicherter Finanzmärkte ist die Rückkehr zu einer geldpolitischen Normalität mit schweren Kollateralschäden verbunden.

An dieser bitteren Wahrheit kommen wir leider nicht vorbei. Eine laxe Geldpolitik ist zwar nicht alternativlos, aber die Alternative riecht nach Währungsreform à la 1948.


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Herausgeber:
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Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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