01. September 2017
 
 
 
 
ROBERT HALVER IN DEN MEDIEN
 
 
 
 
 
Der wöchentliche Kapitalmarkt-Ausblick von Robert Halver mit dem Titel "Kursschwäche beim DAX - Sind zu viele Jäger des Hasen Tod?" - jetzt als Video-Kolumne auf meinem neuen YouTube-Kanal. Diesen können Sie kostenlos abonnieren.

Besuchen Sie auch meine neue Website www.roberthalver.de. Hier finden Sie regelmäßig neue Medien-Beiträge von mir zu aktuellen Themen rund um die Kapitalmärkte.

Zudem finden Sie zwei aktuelle Marktkommentare mit den Titeln "Börsenplatz Talk mit Robert Halver, Jochen Stanzl, Michael Blumenroth: Wann Aktien kaufen? Oder lieber Gold? Wann stoppt die Euro-Rallye?" und "Der September wird besser" auf der Website von Der Aktionär TV.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
DER MARKT UNTER DER LUPE
 
 
 
GRAFIK DER WOCHE
 
 
 
Euro-Stärke kann die EZB nicht kalt lassen
 
 
 
Marktstimmung - Stabile Seitenlage erreicht
 
 
 
Anlegerstimmung und Charttechnik
 
 
 
Der Wochenausblick für die KW 36 - Die EZB gibt sich geldpolitisch entspannt
 
 
 
HALVERS KOLUMNE
 
 
 
VOLKSWIRTSCHAFTLICHE PROGNOSEN AUF EINEN BLICK
 
 
 
KAPITALMARKT AUF EINEN BLICK
 
 
 
WEITERE NEWSLETTER DER BAADER BANK
 
 
 
 
 
 
 
 
DER MARKT UNTER DER LUPE
 
 
 
Der Euro als Verlierer im Währungsabwertungswettlauf?
 
Momentan sind durchaus Molltöne für den deutschen Aktienmarkt zu hören. Nordkorea lässt trotz Kritik selbst seines Hauptverbündeten Chinas nicht von provokanten Raketentests ab. Gleichzeitig stellt der starke Euro einen psychologischen Belastungsfaktor dar, da Einbußen für die deutsche Exportwirtschaft befürchtet werden. Haben politische Börsen auch dieses Mal nur kurze Beine oder gewinnt die Krisenwährung Gold gegenüber Aktien nachhaltig an Bedeutung? Und wird der Euro zu einem nachhaltigen Handicap für Aktien?
 
 
 

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank
 
 
 
 

Fundamental gibt es gute Argumente für eine festere Gemeinschaftswährung

















Selbst Walt Disney hätte nie davon geträumt, dass die Weltmacht Nr. 1 jemals von Mickey und Donald regiert wird












 
 
 
 
 
 
 
Fundamental gibt es gute Argumente für eine festere Gemeinschaftswährung: Die Euro-Konjunktur zeigt sich stabilisiert, das Deflationsgespenst in der Eurozone ist verschwunden und von Euro-Finanz- oder Schuldenkrise spricht man auch angesichts von gefälligen Bonitätshochstufungen Griechenlands nur noch am Rande. Dieser insgesamt aufgehellte Hintergrund scheint der EZB Spielraum für eine geldpolitische Wende zu geben, die - bei dann höheren Renditen für Staatsanleihen in der Eurozone - eine weitere Euro-Befestigung nach sich zöge.

Die Euro-Stärke ist jedoch auch eine US-Dollar-Schwäche. Zurzeit wird die Weltmacht USA nicht ordentlich regiert. Trumpsche Verbalerotik ist kein Ersatz für an klaren Leitplanken ausgerichtet Führung. Selbst innerhalb der amerikanischen Administration ist von politischem Gleichklang nicht viel zu spüren. Die Unterstützung der republikanischen Partei für ihren Präsidenten hat - nachdem sie ohnehin nie stark ausgeprägt war - weiter nachgelassen. In so einem politisch unfreundlichen Klima ist es bereits grundsätzlich schwierig, zu regieren, geschweige denn heiße Eisen wie Wirtschaftsreformen anzupacken.

Sogar ein grob vorsätzlicher government shutdown - das Einstellen der Arbeit von US-Regierungsbehörden bei Erreichen des US-Schuldenlimits - ist für die Regierung Trump kein Tabu mehr. Stehen in den USA Namen für politische Programme? Vizepräsident Mike Pence wird mit Spitznamen Mickey genannt. Selbst Walt Disney hätte nie davon geträumt, dass die Weltmacht Nr. 1 jemals von Mickey und Donald regiert wird. Für das politische Amerika und die westliche Welt ist dieser Comic jedoch ein Alptraum.

Es ist noch nicht lange her, da galt die Parität von Euro zu US-Dollar als ausgemachte Sache. Und bei früheren geopolitischen Auseinandersetzungen wie jetzt mit Nordkorea war der US-Dollar immer erste Wahl. Heutzutage ist jedoch der Euro zu einem sicheren Hafen geworden.

Tatsächlich hat der Euro seit Jahresbeginn auf handelsgewichteter Basis als einzige Weltwährung aufgewertet. Die Währungen der Exportkonkurrenz neigen dagegen zu markanter Schwäche. Selbst Schweizer Franken und japanischer Yen als ebenso sichere Anlagehäfen befinden sich gegenüber dem Euro in der Defensive.
 
 
 
 
 
 
   
GRAFIK DER WOCHE
 
 
 
Wichtige Welt-Handelswährungen seit 2017, indexiert
 
 
 
Grafik: Wichtige Welt-Handelswährungen seit 2017, indexiert
 
   
 
 
 
 
 
 
 

Auch die US-Notenbank weiß die konjunkturellen Vorzüge eines schwächeren Dollars zu schätzen

 
 
 
 
 
 
 
Unglücklich scheinen (Geld-)Politiker über die exportstärkende Schwächung ihrer Währungen definitiv nicht zu sein. An eine auch nur ansatzweise restriktive Geldpolitik denken weder die Schweizerische Nationalbank noch die Bank of Japan. Und angesichts des politischen Handicaps „Trump“, einer ausbleibenden Inflationierung und ungewissen gesamtwirtschaftlichen Folgeschäden hat auch die Fed keinen Grund, zins- und liquiditätspolitisch wirklich restriktiv zu werden, um damit den US-Dollar zins- und renditeseitig zu stärken. Auch die US-Notenbank weiß die konjunkturellen Vorzüge eines schwächeren Dollars zu schätzen.
 
Grafik: Geldversorgung der Notenbanken
 
   
 
 
 
 
 
 


 
 
 
 








Zum Euro zu schweigen, ist Silber, über ihn zu reden ist Gold


 
 
 
 
 
Euro-Stärke kann die EZB nicht kalt lassen
 
Trotz bislang zu vernehmendem Stillschweigen hat EZB-Chef Draghi kein Interesse daran, dass die Gemeinschaftswährung zum Opfer des weltweiten Währungsabwertungskrieges wird und über eine Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit eine außenwirtschaftliche Gefahr für die immer noch nicht vollends erholte Euro-Konjunktur droht.

Daher dürfte Draghi auf der Sitzung der EZB am 7. September seine verbale Zurückhaltung zu Wechselkursen aufgeben und die Euro-Trendwende forcieren. Dazu wird die EZB in ihrer Wachstumsprognose auf zunehmende Abwärtsrisiken hinweisen. Dies geschieht über die artikulierte „Besorgnis“ über die Euro-Aufwertung und eine deutliche Prognoseanhebung des durchschnittlichen Euro/US-Dollar-Wechselkurses. Bisher lag diese bei 1,08 in diesem sowie 1,09 in den kommenden beiden Jahren.

Mit dieser Prognoseanhebung wirkt sie zeitgleich steigenden Inflationserwartungen entgegen. Denn je mehr der Euro gegenüber dem US-Dollar aufwertet, desto niedriger ist der Preissteigerungsdruck der in US-Dollar notierenden Rohstoffpreise. Der Rückgang der Rohstoffpreise auf Euro-Basis ist in der Tat markant. Die angestrebte Inflationsrate von zwei Prozent in der Eurozone bleibt schwierig zu erreichen.
 
Grafik: Rohstoffe, in Euro und US-Dollar
 
   
 
 
 
 
 
 
 

Die EZB wird immer noch deutlich mehr staatliche Schuldtitel nachfragen als neue angeboten werden

 
 
 
 
 
 
 
Mit dieser Inflationsentspannung verleiht sich die EZB ein Alibi für einen verlangsamten Ausstieg aus ihrem Anleiheaufkaufprogramm. Im Verlauf des Herbstes dürfte sie ankündigen, ihre Anleihekäufe im ersten Halbjahr 2018 auf monatlich 40 Mrd. Euro zu reduzieren und dabei die weitere Entwicklung bewusst offen lassen. Damit erwirbt die EZB immer noch deutlich mehr staatliche Schuldtitel als neue emittiert, angeboten werden. Eine klare Restriktion ist das nicht.

Diese schwindende Aussicht auf geldpolitische Restriktion bzw. auf steigende Renditen spricht für einen sich wieder abschwächenden Euro. Auch am Devisen-Terminmarkt setzt sich diese Einsicht allmählich durch. So ist die Zunahme spekulativer Netto-Long-Positionen pro Euro seit einem Monat ausgelaufen.
 
Grafik: Spekulative Euro-Netto-Long-Positionen am Devisen-Terminmarkt und Wechselkurs Euro/US-Dollar
 
   
 
 
 
 
 
 
 

„Overshooting des Euros“

 
 
 
 
 
 
 
Fundamental ist die aktuelle Euro-Stärke ohnehin nicht gerechtfertigt. Konjunkturelle Basiseffekte sind keine nachhaltigen Selbstläufer. Das unterstreicht ebenso die Zinsdifferenz 10-jähriger deutscher zu US-Staatsanleihen als eine wesentliche Bestimmungsgröße für Wechselkursentwicklungen. Der Renditevorsprung Amerikas hat sich zwar zurückgebildet, doch ist die Aufwertung des Euros im Sinne eines „overshooting“ übertrieben.
 
Grafik: Zinsdifferenz 10-jährige Staatsanleihen Deutschland minus USA und Wechselkurs Euro/US-Dollar
 
   
 
 
 
 
 
 


 
 
 
 

















Die Staatengemeinschaft kann sich nicht wie ein Ochse in der Manege vorführen lassen











Gold geht niemals unter. Diese Eigenart haben Schuldensysteme in der Geschichte kein einziges Mal bewiesen
 
 
 
 
 
Marktstimmung - Stabile Seitenlage erreicht
 
Der nordkoreanische Machthaber hat nichts zu verlieren. Selbst noch konsequentere Wirtschaftssanktionen werden kein Einlenken Kim Jong-uns bewirken. Die Wirtschaft des Landes liegt bereits am Boden. Ohnehin, jedes Einlenken seinerseits könnte als Gesichtsverlust interpretiert werden, was ihm politisch im eigenen Land schadet. Daher ist es umso wichtiger, dass die geographischen Anrainerstaaten und die internationale Staatengemeinschaft zusammenhalten. Die einstimmige Verurteilung im UN-Sicherheitsrat ist dabei ein positives Zeichen. Selbst Nordkoreas Hauptverbündeter China geht zunehmend auf Distanz. Man werde bei weiteren Raketentests die „notwendige Antwort“ geben. Daneben ist es hilfreich, dass sich US-Präsident Trump für seine Verhältnisse geradezu diplomatisch zurückhält. Dies spricht insgesamt für kurze Beine von politischen Börsen.

Im Extremfall, bei fortgesetzten Provokationen durch Raketentests - und auch das muss angesprochen werden - müssen Südkorea, Japan, Russland, China und die USA mit Segen der UN Kim Jong-un allerdings androhen, nordkoreanische Raketen ab Verlassen des nordkoreanischen Luftraums abzuschießen. Die Staatengemeinschaft kann sich nicht wie ein Ochse in der Manege vorführen lassen.

Als sicherer Hafen profitiert zwischenzeitlich Gold neben der aktuellen geopolitischen Unsicherheit auch von der Aussicht auf zunächst passive Notenbanken. In diesem Zusammenhang steht sinkenden Renditen am US-Staatsanleihemarkt ein steigender Goldpreis gegenüber. Allerdings bleiben Notenbanken erklärte Feinde stark steigender Goldpreise, da diese die konjunkturelle und finanzwirtschaftliche Wirkung ihrer Geldpolitik konterkarieren würden. Jedes Entspannungszeichen in Nordkorea wirkt zudem Goldpreis drückend.

Und dennoch, angesichts der Überschuldung der Welt, die deutlich über dem Niveau vor der letzten Finanzkrise 2008 liegt, bleibt Gold ein Evergreen. Es geht niemals unter. Diese Eigenart haben Schuldensysteme in der Geschichte kein einziges Mal bewiesen.
 
Grafik: Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen und Goldpreis
 
   
 
 
 
 
 
 
 

Die Geldpolitik bleibt die Aorta der Aktienmärkte. Ein Arterienverschluss ist nicht absehbar

 
 
 
 
 
 
 
Nach der Bereinigung der letzten Wochen präsentieren sich die Aussichten für das IV. Aktienquartal wieder freundlicher. Da die große geldpolitische Wende der EZB ausbleibt, wird sich der Euro mittelfristig schwächer präsentieren. Und mit insofern kaum steigenden Anleiherenditen fehlt dem Aktienmarkt weiter eine attraktive Anlagealternative. Die Geldpolitik bleibt die Aorta der Aktienmärkte. Ein Arterienverschluss ist nicht absehbar.
 
Grafik: Deutscher Aktienindex (DAX) und Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen
 
   
 
 
 
 
 
 
 



 
 
 
 
 
 
 
Der Renditeverfall festverzinslicher Wertpapiere hat selbst europäische Hochzinsanleihen erfasst. Aufgrund des geldpolitisch verursachten Anlagenotstands und einer massiven Konkurrenzsituation innerhalb der vermögensverwaltenden Anleiheinvestoren wird offensichtlich jedes Renditepünktchen ungeachtet der zugrundeliegenden Bonität gerne in Anspruch genommen. Wenn mittlerweile selbst Dividenden bei europäischen Aktien durchschnittlich mehr Rendite bieten, bekommen die Argumente pro Aktie weitere Unterstützung.
 
Grafik: Dividendenrendite europäischer Aktien und Rendite europäischer Hochzinsanleihen
 
   
 
 
 
 
 
 
 




 
 
 
 
 
Anlegerstimmung und Charttechnik
 
Beim von der Citigroup veröffentlichten Macro Risk Index deuten Indexwerte von kleiner als 0,5 auf Risikofreude und Werte größer als 0,5 auf zunehmende Risikoabneigung hin. Der aktuelle Indexwert von gut 0,3 legt daher eine zumindest stabile Aktienmarktentwicklung nahe.
 

Grafik: Citigroup Macro Risk Index und Welt-Aktienindex
 






 
Charttechnisch verläuft im DAX auf dem Weg nach oben der erste wichtige Widerstand bei aktuell 12.161 Punkten. Wird dieser überschritten, tritt darüber die Marke bei 12.342 in den Vordergrund. Setzt sich die Konsolidierung im DAX fort, verläuft eine erste, wenn auch schwache Unterstützung schon an der 200-Tage-Linie bei aktuell 12.023. Darunter wartet eine weitere Auffanglinie bei 11.935, gefolgt von Unterstützungen bei 11.850 und 11.483 Punkten.

Auf der Währungsseite trifft der Euro zum US-Dollar bei einer Abschwächung zunächst bei 1,178 und darunter bei 1,162 auf erste Unterstützungen. Weitere Haltelinien liegen darunter bei 1,15 und 1,13. Erobert der Euro auf dem Weg nach oben den Widerstand bei 1,2054, warten weitere Barrieren bei 1,221 sowie 1,251.
 
 
 
 
 
 




 
 
 
 
 
Der Wochenausblick für die KW 36 - Die EZB gibt sich geldpolitisch entspannt
 
In China signalisieren der von der privaten Finanzmedienagentur Caixin ermittelte Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen und solide Im- und Exportzahlen eine stabile Konjunktur.

In den USA beschreibt die Fed in ihrem Konjunkturbericht (Beige Book) zwar das Bild einer stabilen Wirtschaft. Der deutliche Rückgang der Auftragseingänge in der Industrie zeigt jedoch Grenzen auf.

Die EZB dürfte auf ihrer Notenbanksitzung ihre Inflationsprognosen senken und damit den Euro schwächen.

In Deutschland dürfte ein positiver Dreiklang aus Industrieproduktion, -aufträgen sowie Exportzahlen die solide Wirtschaftslage unterstreichen.
 
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank
 
HALVERS KOLUMNE
 
 
 
Für einen Bundestagswahlkampf wie im Schlaflabor ist die Situation in Deutschland viel zu ernst
 
Ich erinnere mich noch gut an frühere Bundestagswahlkämpfe. Damals ging es noch mit viel Schmackes um Richtungsstreite z.B. „Freiheit statt Sozialismus“. Und heute? Gegenüber der Dynamik des deutschen Wahlkampfs ist die Schnecke ein wildes Tier. Das liegt zunächst daran, dass sich die etablierten Parteien mittlerweile so in der politischen Mitte knubbeln, dass man fast Platzangst bekommt. Die Politiker wollen politisch korrekt sein, bloß nicht durch klare Kante negativ auffallen. Das erklärt auch, warum alle Parteien wirtschaftsfreundlich, sozial und auch noch ökologisch sind. Mich erinnert das an Pauschalreisen mit Flug, Hotel und Mietwagen. Selbst die heiligsten parteipolitischen Markenkerne werden immer mehr säkularisiert.
 
 
 
 
 
 

Sollten die Marketing-Agenturen Kampagnen für Parteien oder für Schlafmittel kreieren?




Deutschland steht heute gut da. Aber heute ist morgen schon gestern.

 
 
 
 
 
 
 
Früher unterschieden sich die Parteien im Prinzip, heute nur noch im Detail. Bei so viel „In der Nacht sind alle Katzen grau“-Übereinstimmung versuchen sich zwar einige Parteien durch z.B. heftige Kritik an den Präsidenten der USA, Russlands oder der Türkei vom braveren Mainstream abzuheben. Doch da es Deutschland wirtschaftlich gut geht, ist dies laut Umfragen wohl zu wenig, um Wechselstimmung zu erzeugen. In diesen allgemeinen Polit-Dämmerschlaf passen auch die inhaltsleeren Wahlplakate, die ich mir täglich auf dem Weg zur Arbeit anschauen muss. Man fragt sich, ob die Marketing-Agenturen Kampagnen für Parteien oder für Schlafmittel kreieren sollten.

Ja, Deutschland steht heute gut da. Aber heute ist morgen schon gestern. Sollte der Bundestagswahlkampf daher nicht Kampfarena für die besten Zukunftskonzepte sein? Wie ein Unternehmen an der Börse müsste jede Partei dort für ihre Vision werben. Ruht sich eine Firma auf ihren Lorbeeren aus, wird sie mit Aktienkursverfall bestraft. Auch wenn Parteien nicht börsennotiert sind, sollten sie sich dennoch im Wahlkampf nicht nur mit Laubsägearbeiten beschäftigen, sondern angesichts der lauernden Probleme dicke Bretter bohren.
 
 
 
 
 
 
























Ohne starkes Europa hat selbst Deutschland (wirtschafts-)politisches Untergewicht

 
 
 
 
 
Geopolitisch muss Europa Hammer, nicht Amboss sein
 
Vor allem auf Deutschland kommt die Aufgabe zu, aus Europa mehr zu machen als nur eine überdimensionierte Gesellschaft zur Rettung angeschlagener Staaten und Banken. Geopolitisch muss Europa mit eigenem Stallgeruch gegen die markanten amerikanischen Duftmarken der Donald Horror Picture Show anstinken. Ebenso müssen wir die Bewältigung der Flüchtlingskrise selbst stemmen und die Sicherung der EU-Außengrenzen keinen Dritten überlassen, die sich wie Kuckuckskinder im fremden Nest aufführen. Hier hat Europa seine Hausaufgaben immer noch nicht gemacht. Stattdessen führen sich die Europäer untereinander wie Kleinkinder auf, die sich ihre Sandburgen gegenseitig zerstören. Ein starkes Signal von Europa in die Welt sieht anders aus.

Eine europäische Musketier-Haltung muss auch gegenüber China gezeigt werden. Sich wegen amerikanischem Liebesentzug bedenkenlos China anzuvertrauen, wäre so, als würde man sich einen hungrigen Alligator als Schoßhund zulegen. Um ihn gewogen zu stimmen, wird er verlangen, unsere industriellen Know How-Träger aufzufressen. Ja auch China „trumpt“ sehr gerne, denkt bei seiner wirtschaftlichen Weiterentwicklung nur an einen, an sich.

Die EU muss geostrategisch ein potenter Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit sein, der wie bei Vollkasko auch bei fremdverschuldeten Auffahrunfällen durch z.B. Amerika zahlt. Ohne starkes Europa hat selbst Deutschland (wirtschafts-)politisches Untergewicht.

Was außer Europa freundlichen Plattitüden hören wir dazu im Wahlkampf?
 
 
 
 
 
 























Zu einer guten Sozialpolitik gehört auch das Schaffen von Arbeitsplätzen













Wirtschaftskompetenz ist kein Verbrechen

 
 
 
 
 
Wie sichert Deutschland seinen Wohlstand auch noch morgen?
 
Mit Innovation, Zuverlässigkeit und Qualität hat Deutschland wie kein anderes Land die Industriewelt beherrscht. Das schlägt sich auch in guten Arbeitsmarktdaten nieder. Allerdings muss man auch den prekären Niedriglohnsektor, Zweitjobs und das Thema Leiharbeitsverträge erwähnen. Wie in Amerika ist auch in Deutschland das Jobwunder vor allem quantitativer, nicht unbedingt qualitativer Natur.

Mit deutschen Schlüsseltechnologien spielt man nicht. Im Wahlkampf tut die deutsche Politik aber alles, um Besitzer und zukünftige Autofahrer zu verunsichern. Einerseits werden Verbrennungsmotoren als Dinosaurier verschrien. Andererseits will man an dieser Technologie noch viele Jahre festhalten. Was denn jetzt? Die unselige Diskussion über wie viel Nachrüstung sinnvoll ist, die massenhafte Enteignung durch Fahrverbote und öko-ideologische Feldzüge gegen den Diesel sind Tritte gegen das Schienbein der deutschen Autoindustrie. Wir sprechen von mindestens 800.000 Arbeitsplätzen. Was spricht dagegen, an neuer sauberer Diesel-Technologie, E-Mobilität, Brennstoffzelle, etc. gleichzeitig zu arbeiten und im Wahlkampf einfach mal den Mund zu halten.

Und dann kommt noch eine gewaltige Industrierevolution auf uns zu: Digitalisierung. In dieser Disziplin liegen Amerika und Asien vorne. Deutschland hat zu sehr auf old economy vertraut. Diese Lücke muss geschlossen werden. Ansonsten könnte die Konkurrenz hier ähnlich dominierende Standards setzen wie Deutschland früher mit „Vorsprung durch Technik“. Zu einer guten Sozialpolitik gehört auch das Schaffen von Arbeitsplätzen.

Aber wo bleibt denn die deutsche Digitalisierungs-Agenda? Im Wahlkampf werden von zu vielen Bedenkenträgern vor allem die Risiken diskutiert. Die gibt es natürlich auch. Aber wenn wir aus Angst Chancen anderen überlassen, verlieren wir dramatisch an Wohlstand. Auf Deutschland wartet niemand. Technikfreundlichkeit ist auch morgen unsere einzige Chance. Hieran muss sich auch unser Bildungssystem konsequent orientieren, ganz davon abgesehen, dass Schultoiletten tatsächlich funktionieren sollten.

Stillstand ist Rückschritt. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit! Das weiß man schon aus der Geschichte des Römischen Reichs. Ich bin mir ganz sicher: Wirtschaftskompetenz ist kein Verbrechen.

Im Wahlkampf darf purer Innovationsalarm keinen Platz haben. Weg mit den Brettern vor dem Kopf.
 
 
 
 
 
 




Mario Draghi: Heiligenbild oder Wurfscheibe?


















Die alten Zöpfe in der Altersvorsorge müssen abgeschnitten werden




























Altersvorsorge mit Aktien darf kein polit-ideologisches Feindbild bleiben



















Wenn Ideologen das Sagen bekommen, hat Altersvorsorge mindestens vier Jahre lang Aschermittwoch vor sich

 
 
 
 
 
Unsere Nachkommen haben immer weniger Auskommen mit ihrem Alters-Einkommen
 
In Deutschland tickt die Zeitbombe Altersarmut. Irgendwann bewegt sich die gesetzliche Rente in Richtung Hartz IV. Und was hört man dazu im deutschen Wahlkampf? Die Rente soll nicht unter bestimmte Niveaus fallen. Prima, doch kann man Rentenversicherungsbeiträge nicht beliebig steigern, um Kaufkraft und insbesondere Arbeitskosten zu schonen. Über demographische Fakten und die damit zusammenhängende Mathematik können sich selbst Politiker nicht hinwegsetzen. Auch Riester ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Fatalerweise kommt die unerschütterliche Liebe der Deutschen zum masochistischen Zinssparen hinzu. Der schwarze Zins-Peter wird Mario Draghi zugeschoben. Gleichzeitig rühmt man sich aber der Überschüsse im Staatshaushalt, die eben der gute Mario „verursacht“ hat.

Die alten Zöpfe in der Altersvorsorge müssen abgeschnitten werden. Es geht um die Begrenzung von Wohlstandsverlusten im Alter, damit Deutschland nicht massenhaft in die Sozialhilfe abrutscht. Neben der Förderung der eigengenutzten Immobilie gehören auch Aktien dazu. Natürlich sind sie mit Kursrisiken behaftet. Schaut man sich jedoch selbst die großen Aktieneinbrüche der Vergangenheit an, stellt man fest, dass sie ausnahmslos nicht nur wettgemacht, sondern überkompensiert wurden. Daneben nahmen Dauer und Intensität von Kurseinbrüchen immer mehr ab.

Im Übrigen sind Kursverluste in der Ansparzeit wenig tragisch. Denn bei sinkenden Kursen erhält man für seine gleichbleibenden Spar- mehr Aktienanteile, die dann bei Börsenerholung das Vermögen anheben wie die Flut das Schiff. Diese Argumente machen Aktiensparpläne so attraktiv, dass Vater Staat diese zur Alterssicherung unbedingt fördern muss.

Zur Risikobegrenzung sollte der Anlagefokus schwerpunktmäßig auf Aktien-Fonds bzw. Aktien-ETF‘s aus dem Euro-Raum liegen, um Währungsverluste zu verhindern. Die Aktiensparpläne sollten am besten auf den großen Leitindices basieren, um das Einzeltitelrisiko zu mildern. Auch sollten die Einzahlungen regelmäßig erfolgen, um das Verlustrisiko größerer Einmalanlagen zu umgehen. Bei der Aktienauswahl sollte es zudem um Titel mit stabilem Geschäftsmodell gehen wie Essen, Trinken, Wohnen, Pharma, Mobilität oder Kommunikation. Das sind menschliche Grundbedürfnisse, die unbedingt befriedigt werden müssen. Diese Titel bieten übrigens hohe Dividenden, die im Ansparzeitraum die verloren gegangene Sinnlichkeit des Zinseszinseffekts durch den Wiederanlageeffekt von Ausschüttungen ersetzen. Dividendenstarke Aktien sind zudem weniger anfällig für Kursverluste.

Der Staat sollte selbst konkrete Vermögensbildungsfonds auf Aktien anbieten, um den individuellen Anlageaufwand zu reduzieren. Da Kursverluste bei zunehmendem Aktienvermögen in immer größerem Ausmaß negativ zu Buche schlagen, sollten mit sich näherndem Rentenbeginn das Aktienrisiko heruntergefahren und Kursgewinne durch Verkäufe immer mehr realisiert werden. Hierbei ähneln Aktiensparpläne regelmäßigen Anlagen in guten Wein. Zum Ende der Auffüllphase geht man in den Weinkeller und fängt an, die Flaschen von unten zu ziehen, um den Inhalt zu genießen.

Um jetzt breite Bevölkerungsgruppen für alterssichernde Aktienansparpläne zu gewinnen, muss der Staat mit der Steuerkeule nachhelfen: Einen ordentlichen monatlichen Betrag sollten die Deutschen aus ihrem Steuerbrutto in Aktien ansparen können, sofern man wirklich lange genug dabei bleibt. Das angesparte Vermögen sollte ebenso bei seinem späteren Verzehr mit möglichst hohen Steuerfreibeträgen geschützt bleiben. Den staatlichen Einnahmeverlust aufgrund der steuerlichen Förderung sollte die Politik gerne in Kauf nehmen. Immerhin wirkt sie der späteren Zahlung von Sozialhilfe entgegen.

Diese innovative „Rentenpolitik“ wäre eine Revolution. Aber basieren auf unseren börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften nicht auch jede Menge Wohlstand und Arbeitsplätze? Sind unsere Politiker nicht zu Recht stolz auf unsere deutschen Industrieperlen? Was ist dann so falsch daran, das breite Publikum an diesem substanzstarken Produktivvermögen zu beteiligen?

Die Umsetzung dieser Altersvorsorgereformen ist politisch gewiss nicht einfach. Doch zur Entschärfung der tickenden Zeitbombe „Altersarmut“ ist jede Anstrengung nötig. Es geht um keine politische Liebesbeziehung zu Aktien, aber eine Zweckehe wäre vernünftig. Denn nicht jeder bekommt eine schöne Pension wie Politiker.

Haben Sie dazu etwas im Wahlkampf gehört? Ja, aber das Falsche. Es gibt Parteien, die die geltende Abgeltungssteuer von 25 Prozent als grobe soziale Ungerechtigkeit darstellen, da Arbeitseinkommen mit bis zu 42 Prozent besteuert werden. Hallo, private Alterssicherung erfolgt aus bereits versteuertem Einkommen. Wenn im Fell gefärbte Ideologen hier das Sagen bekommen und Vater Staat dann noch mehr Sabotage betreibt, hat die Altersvorsorge mindestens vier Jahre lang Aschermittwoch vor sich.
 
 
 
 
 
 



Mit uns nie mehr Mücken im Sommer


 
 
 
 
 
Mein Wahlkampfmotto lautet: Leistung muss sich wieder lohnen, vor allem für Politiker!
 
Insgesamt hat Deutschland viele strukturelle Probleme, die man in einem Bundestagsdämmerschlafwahlkampf nicht einfach unter den Teppich kehren darf. Es geht um unser aller Wohl in der Zukunft. Große Wahlversprechen von sozialer Gerechtigkeit in einem Deutschland, in dem wir gut und gerne leben, dürfen keine unverbindlichen Phrasen sein. Sonst kann man auch versprechen: „Mit uns nie mehr Mücken im Sommer“ oder „Mit uns nie mehr kalte Winter“.
 
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
VOLKSWIRTSCHAFTLICHE PROGNOSEN AUF EINEN BLICK
 
 
 

 
 
 
 
   
 
 
 
 
 
 
 
   
KAPITALMARKT AUF EINEN BLICK
 
 
 

 
 
 
 
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Herausgeber:
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Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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