24. November 2017
 
 
 
 
ROBERT HALVER IN DEN MEDIEN
 
 
 
 
 
Der wöchentliche Kapitalmarkt-Ausblick von Robert Halver mit dem Titel "Egal, welche Farben uns regieren - Deutschland braucht Wirtschaftskompetenz" - jetzt als Video-Kolumne auf meinem neuen YouTube-Kanal. Diesen können Sie kostenlos abonnieren.

Besuchen Sie auch meine neue Website www.roberthalver.de. Hier finden Sie regelmäßig neue Medien-Beiträge von mir zu aktuellen Themen rund um die Kapitalmärkte.

Zwei weitere aktuelle Marktkommentare mit den Titeln "Da geht noch was" und "Dow Jones bei einer Million Punkte? Nachgerechnet beim Zertifikate-Tag" finden Sie auf der Website von Der Aktionär TV.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
DER MARKT UNTER DER LUPE
 
 
 
Wirtschaft in Europa - Basiseffekte sind Silber, Nachhaltigkeit ist Gold
 
 
 
Mittelstandsaktien auch in Frankreich im Fokus
 
 
 
Die zukünftigen Ex-Schwellenländer haben fundamentale Substanz
 
 
 
GRAFIK DER WOCHE
 
 
 
Staatsanleihen der Schwellenländer sind eine Anlage-Sünde Wert
 
 
 
US-Geldpolitik - Die bellt nur, will aber nicht beißen
 
 
 
Marktstimmung - Mehr Licht als Schatten
 
 
 
Charttechnik DAX - Verlust an Dynamik
 
 
 
Der Wochenausblick für die KW 48 - Vor der Opec muss niemand Angst haben
 
 
 
HALVERS KOLUMNE
 
 
 
VOLKSWIRTSCHAFTLICHE PROGNOSEN AUF EINEN BLICK
 
 
 
KAPITALMARKT AUF EINEN BLICK
 
 
 
WEITERE NEWSLETTER DER BAADER BANK
 
 
 
 
 
 
 
 
DER MARKT UNTER DER LUPE
 
 
 
Aktienmärkte heute: Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen.
 
Die europäischen Aktienmärkte mussten zuletzt einiges über sich ergehen lassen: Der Konflikt in Nahost, die kontroverse Debatte über US-Steuersenkungen und nicht zuletzt die gescheiterte Bildung einer neuen Bundesregierung. Doch mit der weiterhin nicht wirklich restriktiven Geldpolitik und der soliden Weltkonjunktur verfügen Aktien über zwei stabile Standbeine. Vor allem die Emerging Markets in Asien zeigen sich wirtschaftlich robust. Welche Anlagechancen bieten die Schwellenländer noch? Und welche Impulse können sie auf die besonders export- und industrielastigen Aktien in Europa ausüben?
 
 
 

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank
 
 
 
 
   
 
 
 
 
Wirtschaft in Europa - Basiseffekte sind Silber, Nachhaltigkeit ist Gold
 
Gemäß Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in der Eurozone ist die voranschreitende Konjunkturerholung intakt. Allerdings verläuft die Euro-Konjunkturerholung nicht gleichmäßig.
 

Grafik: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Deutschland, Frankreich und Eurozone
 
Ein Sieg in der Bundesliga bedeutet noch lange nicht Champions League  
Allerdings sollte man Basiseffekte, die aufgrund einer langjährigen Wirtschaftsmisere kein Wunder sind, nicht mit Nachhaltigkeit verwechseln. Was z.B. in Frankreich Not tut, sind wirkliche Wirtschaftsreformen. Die bislang ergriffenen Strukturmaßnahmen zielen zwar in die richtige Richtung. So profitieren vor allem mittelständische Unternehmen von der jüngst umgesetzten Arbeitsmarktreform. Demnach können Arbeitszeiten flexibler gestaltet und Gehälter in wirtschaftlich schwieriger Lage auch unter Tarif bezahlt werden. Zusätzlich werden Kündigungen mit gedeckelten Abfindungen erleichtert. Doch hält Präsident Macron daran fest, dass Abweichungen von Tarifverträgen nur mit der Zustimmung der Arbeitnehmervertreter möglich sind. Das ist beherzte Reform-Kosmetik, wo beherzte Kernsanierung angesagt wäre. Das Motto darf nicht lauten „Der Weg ist das Ziel“, sondern „Das Ziel ist das Ziel“. Und die Reformfähigkeit Italiens wurde bislang ebenso wenig entdeckt wie das Bernsteinzimmer. Europa braucht Standortverbesserungen, um erst nachhaltige Wachstumseffekte erzielen zu können. Europa gefällt sich zu sehr darin, jeden Wachstumskeim als epochal darzustellen.
 
 
 
 
 
 


Asien liebt Mittelstandsunternehmen

 
 
 
 
 
Mittelstandsaktien auch in Frankreich im Fokus
 
Immerhin wurde über die kleinen Reformen Macrons der Anlegerblick auf französische, industrielastige Mittelstandsaktien geleitet, auch wenn sie ihren deutschen Pendants in puncto Wertentwicklung nicht ganz folgen können. Die nationale Karte ist aber als Begründung für ihre Renaissance nicht ausreichend. Schwerpunktmäßig führte die sich stabilisierende Weltkonjunktur speziell in den Schwellenländern zu deren Kurserholung. Nicht zuletzt entfachen diese Unternehmen aufgrund ihrer Industriepatente und Technologie-Know Hows eine enorme Übernahmephantasie insbesondere aus den Schwellenländern Asiens.
 
Grafik: Wertentwicklung Mittelstands-Aktienindices in Deutschland und Frankreich seit 2015
 
   
 
 
 
 
 
 


 
 
 
 















Asien ist reformfreudig


Performance-Lücke der Schwellenländer





 
 
 
 
 
Die zukünftigen Ex-Schwellenländer haben fundamentale Substanz
 
Die fundamentalen Probleme der Schwellenländer, die bis Ende 2015 sogar Ängste vor einer Asien-Krise hervorriefen, haben sich deutlich zurückgebildet. Das heißt nicht, dass diese Länder sakrosankt sind. Überhitzungen im gewerblichen und privaten Kreditbereich Chinas sind unverkennbar, denen die Aufsichtsbehörden in Form strikterer Kreditvergaberegeln entgegenwirken. Allerdings betreibt Chinas Zentralbank umfangreiche Liquiditätszuführungen zur Kompensation, ähnlich wie Fed, EZB oder Bank of Japan. Grundsätzlich ist die „Neue Konjunkturelle Sachlichkeit Chinas“ zu begrüßen, da sie die Fehlallokationen und Rezessionsgefahren gleichermaßen bekämpft.

Ohnehin sorgen die verhaltenen Rohstoffpreise für positive Wachstumsimpulse, die durch Fortschritte bei Wirtschaftsreformen weiter gefördert werden.

Insofern ist die äußerst positive Wertentwicklung der Aktienmärkte der Schwellenländer seit nunmehr zwei Jahren konsequent. Mit zunehmendem Anteil an der weltweiten Wertschöpfung ist eine Fortsetzung ihrer Aktienhausse zu erwarten. Im Vergleich zu den etablierten Industrieländern haben sie eine markante Performance-Lücke, die angesichts ihrer stabilen Fundamentaldaten, einer konsequenten Annahme der Herausforderungen der Digitalisierung und auch mit Blick auf ihre zunehmende geopolitische Bedeutung nicht gerechtfertigt ist.
 
 
 
 
 
 
   
GRAFIK DER WOCHE
 
 
 
Wertentwicklung Aktienmärkte Industrie- und Schwellenländer
 
 
 
Grafik: Wertentwicklung Aktienmärkte Industrie- und Schwellenländer
 
   
 
 
 
 
 
 
 
China bekommt mehr Gewicht im MSCI Index für Schwellenländer








 
 
 
 
 
 
 
Für Chinas Aktienmarkt spricht die weitere Kapitalmarktliberalisierung. Da die chinesischen Festland-Börsen mit der Börse in Hong Kong verbunden werden, wird der Handel mit chinesischen Aktien für Auslandsanleger erleichtert. Daneben wurden fünf Prozent der chinesischen Festlandaktien in den MSCI Index für Schwellenländer aufgenommen, die dem Land für Indexinvestoren mehr Gewicht in ihren Aktienportfolios geben.
 
 
 
 
 
 



Schwellenländer Asiens weniger ausfallgefährdet als Italien und Portugal

 
 
 
 
 
Staatsanleihen der Schwellenländer sind eine Anlage-Sünde Wert
 
Überhaupt haben sich die Kreditwürdigkeiten der Emerging Markets verbessert. Kürzlich hat die Rating-Agentur Moody’s die Bonitätsnote für indische Staatsanleihen erstmals seit 14 Jahren von Baa3 auf Baa2 angehoben. Sicherlich haben Schwellenländer vereinzelt noch mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. So steht in Brasilien Präsident Temer wegen Korruptionsvorwürfen unter anhaltendem Druck. Doch bis auf die Türkei ist der Abwärtstrend der Ausfallprämien überall erkennbar. Mittlerweile gelten die Schwellenländer Asiens als weniger ausfallgefährdet als Italien und Portugal.
 
Grafik: 5-jährige Ausfallprämien Euro-Staaten und Schwellenländer
 
   
 
 
 
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 
Vor diesem Hintergrund und angesichts renditearmer Anleihen der Eurozone sind Staatstitel der Schwellenländer für risikofreudigere Anleger zumindest als Portfoliobeimischung interessant. So bieten 10-jährige Staatspapiere in Indien und Indonesien Renditen über sechs Prozent.
 
Grafik: Renditen 10-jähriger Staatsanleihen Schwellenländer
 
   
 
 
 
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 
Währungsverlustgefahren, die den Renditevorteil von Staatsanleihen der Schwellenländer gegenüber ihren eurozonalen Pendants aufzufressen drohen, haben sich ebenso verringert. Insbesondere die Währungen der asiatischen Schwellenländer haben an Schwankungsintensität verloren.
 
Grafik: Währungen zum Euro
 
   
 
 
 
 
 
 


 
 
 
 









Eine striktere Fed-Ausrichtung könnte den Deflationsprozess wieder befeuern

















Möchtegern-restriktive Geldpolitik der Fed
 
 
 
 
 
US-Geldpolitik - Die bellt nur, will aber nicht beißen
 
Die Fed wird in der Tat nicht zum Währungsschreck der Schwellenländer. Ihre sanftmütige Zinserhöhungspolitik beugt Dollar-Aufwertungen vor und verhindert somit eine währungsabwertende Kapitalflucht in die USA. Ohnehin betrachten die USA Asien und Südamerika längst als attraktive Exportmärkte, die man sich mit starken Dollar-Befestigungen nicht verbauen möchte.

Tatsächlich werden bei der US-Notenbank gemäß Protokoll der vergangenen geldpolitischen Sitzung - die sogenannten Fed Minutes - die Zweifel am eigenen Inflationsausblick zunehmend größer. Bedenken, dass deutliche Zinserhöhungen die langfristigen US-Konjunktur- und Inflationserwartungen übermäßig dämpfen könnten, äußerte zuletzt auch die scheidende Fed-Chefin Yellen. Wenn schon eine beispiellos lockere Geldpolitik keine klare Inflationierung nach sich zieht, könnte eine striktere Fed-Ausrichtung den Deflationsprozess wieder befeuern.

Unter dem neuen Fed-Chef Powell, der im Februar 2018 sein Amt übernimmt, böte sich ein passender Zeitpunkt, um die US-Zinspolitik strukturell zu erneuern. Überlegungen, ein Überschießen der Inflation über zwei Prozent für einen längeren Zeitraum zuzulassen, gibt es in den Reihen der Fed schon länger. So könnte die Fed zukünftig eine passive Geldpolitik betreiben, wonach sie den Notenbankzins und auch die Anleiherenditen maximal an der Inflation ausrichtet. Preissteigerungen würden mit Zinssteigerungen bestenfalls egalisiert. Das reale Zinsumfeld in den USA würde damit nicht positiv. Damit könnte die Fed einerseits eine „Zinserhöhungsstrategie“ zur Glaubwürdigkeitssteigerung betreiben, andererseits aber ihre Unterstützung für US- und Weltkonjunktur sowie Aktienmärkte beibehalten.

Tatsächlich zeigt die Fed bereits diesen geldpolitischen Trick: Seit Beginn ihrer Zinserhöhungen Ende 2015 haben sich die realen Notenbankzinsen im Trend zurückgebildet. So viel zu einer restriktiven US-Geldpolitik.
 
Grafik: Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen und US-Notenbankzins, inflationsbereinigt
 
   
 
 
 
 
 
 


 
 
 
 





 
 
 
 
 
Marktstimmung - Mehr Licht als Schatten
 
Nach dem Kurs-Gewitter ist die Situation an den europäischen Aktienmärkten bereinigt. Die Kursverluste waren nicht umfangreich genug, um deutliche Zweifel an einer Jahresend-Rallye zu nähren, haben aber Überdruck aus dem Aktien-Kessel genommen.

Auch die Sentiment-Indikatoren für US-Aktien deuten nicht auf Unheil hin. Der Anteil der Optimisten minus Anteil der Pessimisten befindet sich in neutralem und nicht wie bisher im überhitzten Territorium, der erst als Kontraindikator drohende Konsolidierungen anzeigt.
 
Grafik: Anteil der Optimisten am US-Aktienmarkt abzüglich Anteil der Pessimisten
 
   
 
 
 
 
 
 
 

Langwierige instabile politische Rahmenbedingungen drohen nicht
 
 
 
 
 
 
 
Die entscheidenden Zutaten für eine Wiederaufnahme der Jahresend-Rallye sind vorhanden. So bleibt die große geldpolitische Trendwende aus und das Klima in der Weltwirtschaft befindet sich auch laut ifo Institut auf dem höchsten Stand seit 2011. Setzt man die Einschätzung der Geschäftslage und -erwartungen für das IV. Quartal 2017 zueinander in Beziehung, hat sich die Weltwirtschaft angesichts einer verbesserten Geschäftslage und steigenden -erwartungen in der konjunkturellen Zyklusphase „Boom“ fest etabliert. Vor allem aus den Schwellen- und Entwicklungsländern wird ein Anziehen der Konjunktur erwartet. Politisch erwartet man in Deutschland zumindest eine „GroKo light“, also die Tolerierung einer von CDU/CSU geführten Regierung. Eine spätere „GroKo right“ ist nicht ausgeschlossen, sondern absehbar. Langwierige instabile politische Rahmenbedingungen drohen also nicht.
 
Grafik: ifo Konjunkturmatrix der Weltwirtschaft
 
   
 
 
 
 
 
 
 











 
 
 
 
 
Charttechnik DAX - Verlust an Dynamik
 
Charttechnisch verlaufen beim DAX auf dem Weg nach oben die ersten Widerstände bei 13.033, 13.064 und 13.145 Punkten. Darüber nimmt der Index Kurs auf die Barrieren bei 13.187, 13.229 und 13.342. Werden auch diese Widerstände überschritten, folgen weitere bei 13.431 und 13.489. Im Falle von neuerlichen Kursrücksetzern verläuft eine erste Unterstützung bei 12.969. Bei Unterschreitung ist mit Kursverlusten bis zur Unterstützung bei 12.952 und schließlich 12.921, 12.909 und 12.829 Punkten zu rechnen.
 
 
 
 
 
 




 
 
 
 
 
Der Wochenausblick für die KW 48 - Vor der Opec muss niemand Angst haben
 
Auf ihrem halbjährlichen Treffen in Wien am 30. November dürften die Opec-Staaten zwar eine Verlängerung ihrer Ölförderkürzungen beschließen, ohne damit jedoch - aufgrund der zunehmenden Bedeutung von Fracking - längerfristigen Auftrieb bei den Ölpreisen zu generieren.

In China deuten die offiziellen Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende und Dienstleistungsgewerbe sowie das vom privaten Finanznachrichtendienst Caixin veröffentlichte Pendant für die Industrie auf eine grundsätzlich solide Konjunktursituation hin.

In den USA zeugt ein nahezu unveränderter ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe von einer stabilen US-Wirtschaft. Doch dürften die Konsumentenausgaben im Oktober zur Schwäche neigen.

In der Eurozone unterstreicht der Economic Sentiment Indikator der EU-Kommission die anhaltend positive Stimmung in der Konjunktur. Gemäß Vorabschätzungen für November lässt eine nennenswerte Inflationsbeschleunigung jedoch weiter auf sich warten und beruhigt Bedenken vor einer restriktiven Geldpolitik der EZB. In Deutschland zeichnen stabile Einzelhandelsumsätze und ein wieder freundlicherer GfK Konsumklimaindikator das Bild einer robusten Binnenkonjunktur.
 
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank
 
HALVERS KOLUMNE
 
 
 
Egal, wer uns regiert - Deutschland braucht massive Wirtschaftskompetenz
 
Ausgerechnet Deutschland, das jahrzehntelang der politische Fels von Gibraltar in Europa, wenn nicht sogar weltweit war, steht nach dem Jamaika-Aus politisch instabil da. Selbstverständlich ist eine stabile Regierung erstrebenswert. Deutschland ist ja nicht irgendein Operettenstaat, sondern die viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt, die geopolitisch ebenso an Bedeutung gewonnen hat.
 
 
 
 
 
 


Wer ohne parteipolitische Sünde ist, werfe den ersten Stein







„Mischen impossible!“










Berlin muss ein Gegengewicht zu Paris bilden
 
 
 
 
 
Es ist doch nicht gleichgültig, mit wem man koaliert
 
Doch können Parteien in einer Jamaika-Regierung gemäß ihrem Markenkern keine wahrnehmbaren inhaltlichen Duftmarken hinterlassen, laufen sie Gefahr, bei der nächsten Bundestagswahl zur außerparlamentarischen Opposition zu degenerieren. Dieses Schicksal hat die FDP schon einmal erleiden müssen, nachdem Frau Merkel sie programmatisch am langen Arm hat verhungern lassen. Daher scheute die FDP den politischen Fluch der jamaikanischen Karibik. Im tiefen Herzen wollten aber alle Sondierungspartner Jamaika nicht. Niemand sollte mit inszenierter Dramaturgie Dolchstoßlegenden aufbauen. Wer ohne parteipolitische Sünde ist, werfe den ersten Stein.

Regieren um jeden Preis hat viele Kollateralschäden. Was bringt denn eine Regierung, die nichts bringt, deren Partner sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht „grün“ sind und sich daher auch nicht an die heißen Eisen wagen? Ein bisschen Paloma, ein bisschen Aroma, konkret ein wenig Ökonomie, ein Kinderteller Ökologie, eine Prise Wertkonservatismus und über allem der sehr flexibel schwebende, heilige Geist von Mutti sind zu wenig, um Deutschland in die Zukunft zu führen. Nur moderieren statt regieren, nur verwalten statt gestalten, geht vielleicht im Kegelclub „Alle Neune“, aber nicht in einer Bundesregierung. Es wächst politisch nicht zusammen, was politisch nicht zusammen gehört. „Mischen impossible!“

Die Notgemeinschaft einer schwachen Regierung ist auch im Zuge der verstärkten Europäischen Integration nicht zu gebrauchen. Dabei geht es um die Frage, ob die Eurozone eine Stabilitätsunion oder eine Schuldenunion à la manière française werden soll. Im Moment hat Macron in Frankreich eine dicke absolute Mehrheit und kann regieren wie ein Sonnenkönig. Ohnehin ist die politische Mehrheit der anderen Euro-Länder eindeutig mehr an französischer Schuldentoleranz und Reform-Laissez faire als an „germanischem Stabilitätsdiktat“ interessiert. Ein Macron- wird einem Merkel- Europa vorgezogen. Wie soll hier ein gehemmter, sich gegenseitig misstrauender Berliner Regierungsapparat ein geeignetes Gegengewicht zu Paris bilden?
 
 
 
 
 
 



















Kommt es auf der GroKo-Bounty zur Meuterei gegen Kapitän Merkel?

 
 
 
 
 
Deutschland wird nicht zu einer Bananenrepublik
 
Die Aktienbörse in Deutschland zeigt sich nicht in politischer Katastrophenstimmung. Dort scheint man zu denken: Lieber keine Jamaika-Regierung als eine, bei der die Sonne über der Insel nicht mehr aufgeht. Verwöhnt ist man ja ohnehin nicht. Schon in den letzten Jahren blieben finanz- und wirtschaftspolitische Lustgewinne - z.B. Förderung des Aktiensparens zur Altersvorsorge - aus.

Im Übrigen wird Deutschland nicht unregierbar. Zunächst wird es wohl eine Minderheitsregierung mit Unterstützung der SPD geben. Ihre Merkel-Allergie klingt ab. Das ist die Balance zwischen Totalverweigerung und Gesichtsverlust. So ein Tolerierungsbündnis der Marke „GroKo Light“ hat durchaus politischen Charme. Die Rechte der Bundestagsabgeordneten, die lange Jahre vielfach nur zum Abnicken gebraucht wurden, werden wichtiger. Die Entpolitisierung des Parlaments würde beendet. Es ist nicht schlecht, wenn unser „Präsidialsystem“ wieder „parlamentarisiert“ wird.

Dennoch wollen wir Deutsche politisch stabile Verhältnisse. Das liegt in unserer DNA. Daher sind irgendwann im Frühjahr Neuwahlen zu erwarten. Die politischen Gewitter haben sich dann ausgetobt. Sollte es dann erneut zu einem ähnlichen Wahlergebnis wie am 24. September kommen, werden sich die Sozialdemokraten einer „GroKo right“ gemäß „Erst kommt das Land, dann die Partei“ nicht mehr verweigern können. Als Gegenleistung werden sie eine ordentliche Wunschliste an die Union senden. Gespannt darf man auch sein, ob es auf der GroKo-Bounty zur Meuterei gegen Kapitän Merkel - dem zweifachen Sargnagel der SPD - kommen wird? Da ist so manches Hühnchen noch nicht gerupft.
 
 
 
 
 
 
   
 
 
 
 
Börse läuft trotz Politik, nicht wegen Politik
 
Grundsätzlich gilt aber auch für Deutschland: Politische Börsen haben kurze Beine. Dieser wohl bekannteste Börsenkalauer hat sich in den letzten Jahren weltweit zu einem Naturgesetz entwickelt. Solange die Notenbanken das Börsenschiff mit genügend Wasser versorgen und die Weltkonjunktur die Unternehmensgewinne antreibt wie der Wind das Segel, kann die politische Brücke nicht alles kaputt machen.
 

Grafik: Politischer Risiko-Index Eurozone und Kursschwankungen DAX
 
Große Aktiengesellschaften sind ziemlich unabhängig von den Niederungen der deutschen Politik  
Ohnehin sind deutsche börsennotierte Unternehmen immer weniger an Deutschland gebunden. Auch andere Länder haben schöne Standorte. Dort wird ihnen der rote Teppich breit ausgelegt. Und solange diese Aktiengesellschaften weltweit erfolgreich sind und weiter ihren Verwaltungssitz in Deutschland haben, profitieren sie und die von ihnen bestückten deutschen Aktienindizes ziemlich unabhängig von den Niederungen der nationalen deutschen Politik.
 
 
 
 
 
 



Eine gute Bundesregierung muss wie ein Zahnarzt handeln

 
 
 
 
 
Arbeitnehmer sind der nationalen Wirtschaftspolitik ausgeliefert
 
Diese internationale Mobilität haben aber die allerwenigsten deutschen Arbeitnehmer. Sie sind auf eine Regierung angewiesen, die ihnen den Rücken frei hält, also den deutschen Wirtschaftsstandort stärkt. Die dazu notwendige Reformpolitik tut dem Wähler zunächst zwar weh. Aber Politik muss sogar wehtun, wenn es um die Zukunft Deutschlands geht. Eine gute Bundesregierung hat Ähnlichkeiten mit einem Zahnarzt: Ohne die kurzfristigen Schmerzen bei der Beseitigung von Parodontose und Karies ist längerfristig keine Schmerzfreiheit möglich.

Wir brauchen massive Infrastrukturmaßnahmen, eimerweise Bildung und vor allem das beherzte Angehen der Digitalisierung, die man bitte nicht nur als soziales Problem begreifen sollte. Entweder Deutschland frisst hier mit oder wird gefressen. Deutschland muss so sexy sein, dass innovative Unternehmen einen starken Reiz spüren, hier zu investieren. Übrigens, so lassen sich auch Entlassungen wie z.B. bei Siemens oder ThyssenKrupp - die in global brutal hartem Wettbewerb stehende Unternehmen leider vornehmen müssen - durch alternative Beschäftigungsverhältnisse wettmachen. Für das Ausbügeln wirtschaftspolitisch falscher Weichenstellungen ist die betriebswirtschaftliche Seite - wo sicherlich auch Fehler gemacht werden - nicht zuständig. Der Fisch stinkt vom Kopf her.
 
 
 
 
 
 














Wenn Deutschland nicht mit der Zeit geht, geht es mit der Zeit
 
 
 
 
 
Deutschland braucht nicht irgendeine Regierung, sondern die Regierung!
 
Eine Bundesregierung muss mit der großen Familienpackung Wirtschaftskompetenz aufwarten. Denn die augenblicklich gute Lage ist eben nur augenblicklich gut. Allein mit politischer Überkorrektheit, Gesundbeterei, Hypermoralismus und Innovationsalarm kommt Deutschland längerfristig nicht über die wirtschaftlichen Runden. Die ausländische Konkurrenz ist deutlich weniger pastoral unterwegs. Sie wollen die Globalisierung und Digitalisierung gerne auch zulasten des deutschen Wirtschaftsstandorts für sich gewinnen. Wirtschaftspolitik heißt nicht „Wünsch Dir was“, sondern „So isses“.

Wenn Deutschland nicht mit der Zeit geht, geht es mit der Zeit.
 
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
VOLKSWIRTSCHAFTLICHE PROGNOSEN AUF EINEN BLICK
 
 
 

 
 
 
 
   
 
 
 
 
 
 
 
   
KAPITALMARKT AUF EINEN BLICK
 
 
 

 
 
 
 
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 

WEITERE NEWSLETTER DER BAADER BANK
 
 
 
 
Nutzen Sie den Service auf Baader Bondboard und abonnieren Sie kostenlos weitere Newsletter der Baader Bank!
 
 
 
 
 
 
 
 
Klaus Stopp, Leiter Skontroführung Renten
Baader Bank AG
 
 
 
 
 
Baader Bond Markets
 
Beim wöchentlichen Newsletter „Bond Markets“ stehen Anleihen im Vordergrund. Der Baader Bank Anleihe-Experte Klaus Stopp berichtet über Höhen und Tiefen am internationalen Rentenmarkt und kommentiert ausgewählte aktuelle Themen. Sie finden im Newsletter Informationen zum Markt für Staats- und Unternehmensanleihen sowie ausführliche Beiträge zu neu emittierten Anleihen. Das Informationsangebot wird ergänzt durch direkte Links zum umfangreichen Kursangebot und den Analyse-Funktionen auf Baader Bondboard.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zentrale der Baader Bank in Unterschleißheim bei München
 
BAADER BANK
 
 
 
 
Die Baader Bank ist Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten und eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region.

Als Market Maker / Spezialist sind wir für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von ca. 860.000 Wertpapieren verantwortlich.
Im Investmentbanking entwickeln wir Finanzierungslösungen für Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum. Institutionellen Anlegern bieten wir umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.


Herausgeber:
Baader Bank AG
Weihenstephaner Str. 4
85716 Unterschleißheim
Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

Über mögliche Interessenkonflikte und rechtliche Hinweise informieren Sie sich bitte im Disclaimer auf www.bondboard.de/Newsletter/Disclaimer