22. Januar 2016
ROBERT HALVER IN DEN MEDIEN
Der wöchentliche Kapitalmarkt-Ausblick von Robert Halver - jetzt als Video-Kolumne auf maxblue.de.

Einen aktuellen Marktkommentar mit dem Titel Robert Halver: "Europa funktioniert nicht! - Europa verhält sich (Entschuldigung) asozial!" können Sie auf der Website von Börsen Radio Network abrufen.
DER MARKT UNTER DER LUPE
Die andere Seite der Rohstoffschwäche
GRAFIK DER WOCHE
Der Iran als Sorgenpause für die deutsche Industrie
Die EZB ist mittlerweile auch als politischer Stimmungsaufheller unverzichtbar
Aktuelle Marktlage und Anlegerstimmung - Wir sind überverkauft!
Charttechnik DAX und Euro Stoxx 50 - Immer noch angeschlagen
Der Wochenausblick für die KW 4 - Wie widerstandfähig ist die deutsche Wirtschaft?
HALVERS WOCHE
VOLKSWIRTSCHAFTLICHE PROGNOSEN AUF EINEN BLICK
KAPITALMARKT AUF EINEN BLICK
WEITERE NEWSLETTER DER BAADER BANK
DER MARKT UNTER DER LUPE
Parallelen zwischen 2008 und heute zu ziehen, mag dramaturgisch reizvoll sein, ist aber übertrieben
In den Medien geht die Angst vor einer globalen Wirtschaftskrise wie 2008 um. Der Umbau der chinesischen Volkswirtschaft von Export, Immobilien und Industrie hin zu Konsum und Dienstleitung ist nicht ohne Reibungsverluste zu bewerkstelligen. China scheint „Lost in Transition“ zu sein. Leider schüttet die intransparente Kommunikation der KP selbst Öl ins Feuer der Verunsicherung: Das veröffentlichte Wirtschaftswachstum von 6,9 Prozent für 2015 hat mit der wirtschaftlichen Realität nicht viel gemein. Daher werden skeptische Fragen gestellt, ob die KP in China nicht auch noch an anderen Stellen Daten hemmungslos schönt.

Gleichzeitig trübt ein sich auf 12-Jahres-Tief befindender Ölpreis die Wirtschaftsstimmung in den Rohstoff- und Schwellenländern, die sich dramatischen Einnahmeeinbußen und damit fatalen Staatshaushaltssituationen ausgesetzt sehen. Über den schwachen Ölpreis ist aber auch Ungemach für die westliche Welt verbunden: Im Minen- und Ölsektor werden Konkurse und ein massiver Arbeitsplatzabbau befürchtet. Hinzu kommt eine angeschlagene US-Fracking-Industrie, die im Extremfall zu Kreditabschreibungen bei Banken, Ausfällen bei High Yield-Anleihen im Energiesektor und Finanzierungsengpässen auch - als Kollateralschaden - in anderen Zinsbereichen führen könnte. Riecht es wieder streng nach 2008?

Daher hat der IWF zwar zuletzt seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft 2016 von 3,6 auf 3,4 Prozent gesenkt. Damit wüchse sie aber immer noch stärker als 2015. IWF-Chefin Lagarde ist im Übrigen der Meinung, dass die aktuell am Aktienmarkt gespielten Ängste vor einem tatsächlichen Wirtschaftseinbruch in China übertrieben sind. In diesem Zusammenhang verweist sie auf die umfangreichen chinesischen Maßnahmen zur Konjunkturstimulierung.

Genau diese scharfe Konsolidierung des chinesischen Leitindex Shanghai Composite bereinigt die seit 2014 betriebene, unsägliche Aktien-Propaganda der KP, mit der die galoppierende Verschuldung der Unternehmen über Börseneinführungen nonchalant auf Privatanleger übertragen wurde. Der rapide Abbau der Wertpapierkredite hat diesen Prozess dynamisiert.


Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank
Grafik: Aktienindex Shanghai Composite und Wertpapierkredite







Die andere Seite der Rohstoffschwäche
Der Verfall der Rohstoffpreise muss etwas differenzierter betrachtet werden. Noch 2008 und 2011 wurden Ölpreise von über 140 bzw. über 120 Dollar pro Barrel als dramatische Gefahr für eine einbrechende Weltkonjunktur dargestellt, da der „Schmierstoff“ für Wirtschaftswachstum in den Industrieländern zu teuer wurde. Warum soll heute das umgekehrte Preisszenario - übrigens, teilweise die gleichen Ölexperten, die damals weiter steigende Ölpreise von über 200 für unausweichlich hielten, verkaufen heute Ölvisionen von 10 US-Dollar pro Barrel - so fatal für die Weltwirtschaft sein, nur weil die Rohstoffländern unter Kaufkraftverlust leiden? Hätte ihr dramatischer Kaufkraftgewinn damals in umgekehrter Lesart nicht das globale Wachstum massiv anschieben müssen? Warum sollten sie dann heute die Weltwirtschaft ins Verderben stürzen? Ohnehin kommen in der Diskussion die positiven Aspekte der Rohstoffschwäche zu kurz. Denn billige Vorprodukte erhöhen die Gewinnmargen der Unternehmen und die Kaufkraft der Konsumenten in den Industrieländern gewaltig. Sie kommen wie 2008 in den allmählichen Genuss eines Sonderkonjunkturprogramms, das ähnlich wirkt wie Steuersenkungen. Negativen Ausstrahleffekten der Schwellenländer wird damit massiv entgegengewirkt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass auch China eine große Industrienation ist.
Grafik: Ölpreis Brent und Industriemetalle sowie Welt-Wirtschaftswachstum

Ölpreisschwäche als Sonderkonjunkturprogramm für Industrieländer
Die Rohstoffpreisschwäche und der Übergang der Emerging Markets zu nachhaltiger wachsenden, weniger dynamischen Volkswirtschaften resultiert ebenso in einer Bedeutungsverschiebung von Ländern und Regionen. Diese „Neue Sachlichkeit“ und die größere konjunkturelle Sicherheit der westlichen Industrienationen werden auch zu einem Attraktivitätsgewinn der „old economy“ bei Finanzanlegern führen. Die weltkonjunkturelle Zweiteilung kommt bereits in der Entwicklung des globalen Gewinnwachstums zum Ausdruck. Während sich die Gewinnentwicklung in Brasilien und Russland im Zuge der Rohstoffbaisse eingetrübt hat, zeigen sich Industrieländer wie USA, insbesondere aber Deutschland und die Eurozone im Vergleich robust. Auch China wird von dieser Entwicklung profitieren können.
GRAFIK DER WOCHE
Rohstoffpreise und globale Gewinnentwicklung
Grafik: Rohstoffpreise und globale Gewinnentwicklung






















Der Iran als El Dorado für die deutsche Industrie
Der Iran als Sorgenpause für die deutsche Industrie
Nachdem der Iran die Auflagen zur Beendigung seines Atomprogramms erfüllt hat, wurden die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran aufgehoben. Das Land hat jetzt nicht nur wieder Zugang zu den Ölmärkten, sondern ist auch wieder offen für ausländisches Investitionskapital. Bereits vor den Sanktionen war das Land ein fast schon sprichwörtliches El Dorado für die deutsche Industrie. Grundsätzlich bietet die veraltete, teilweise verfallene Infrastruktur des Iran nach fast zwei Jahrzehnten Sanktionspolitik vielfältige Investitionspotenziale, insbesondere auch für mittelständische deutsche Unternehmen. Der Iran ist damit sogar eine Alternativbefriedigung zur mit Sanktionen belegten russischen Wirtschaft.

Allein der Investitionsstau in der iranischen Öl- und Gasindustrie, bei Turbinen, Kraftwerken und Technologien zur Ölexploration, wird auf weit über 100 Milliarden US-Dollar geschätzt. „Made in Germany“ hat aber genauso Chancen in den Bereichen Maschinen- und Fahrzeugbau, Automobile, Nahrungsmittel und Pharma. Deutsche Wirtschaftsverbände halten mittelfristig eine Vervierfachung des Exportvolumens von heute knapp 2,5 Milliarden auf über 10 Milliarden Euro für möglich.

Die Finanzierung der Investitionen wird vor allem durch die Rückkehr an die Ölmärkte ermöglicht. Trotz der niedrigen Ölpreise kann der Iran allein über die geplante Ausweitung der Ölexporte bis Ende 2016 seine Einnahmen aus dem Ölgeschäft immerhin nahezu verfünffachen.
Grafik: (Projizierte) Öleinnahmen des Iran





Die EZB ist mittlerweile auch als politischer Stimmungsaufheller unverzichtbar
Die fallenden Rohstoffpreise sorgen für anhaltenden Deflationsdruck in der Eurozone. Tatsächlich ist die Eurozone auch perspektivisch - unter Berücksichtigung der Inflationserwartungen - nicht auf dem Weg zu normalen Preisverhältnissen. Die Deflationsgefahr behält die EZB scharf im Blick, um nicht zu riskieren, dass Unternehmen mit der wenig attraktiven Aussicht auf schwache Verkaufspreise Investitionen zeitlich hinauszögern und Konsumenten beim Kauf vor allem langlebiger Güter zu lange auf den vermeintlich tiefsten Preis warten. Ansonsten wären japanische Verhältnisse die Folge.
Grafik: Ölpreis Brent und 5-jährige Inflationserwartungen der Eurozone in 5 Jahren
Es gibt überhaupt keinen Anlass, auf absehbare Zeit steigende Zinsen zu erwarten
Eine grundsätzlich freizügige Geldpolitik der EZB ist nicht zuletzt der integrative Klebstoff, um den (sozial-)politischen Fliehkräften in der Eurozone und EU - Stichwort Brexit - entgegenzuwirken. Damit sind noch großzügigere Kaufvolumina von Staats- und Unternehmensanleihen, im Extremfall auch von Bankkrediten ebenso möglich wie die abermalige Senkung des Einlagenzinssatzes für Banken im Sinne eines Strafzinses. Diese Offenheit hat Mario Draghi auf der letzten Sitzung der EZB mit dem Verweis auf gestiegene konjunkturelle Abwärtsrisiken mit Blick auf die Emerging Markets und angeschlagene Finanzmärkte bzw. rohstoffbedingt schwache Inflationsaussichten klar unterstrichen. Auf der nächsten EZB-Sitzung im März soll es eine neue bis 2018 reichende Einschätzung konjunktureller Daten geben, die dann durchaus geldpolitische Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Allerdings muss man an der privatwirtschaftlichen Durchschlagskraft der Geldpolitik abseits einer günstigen Refinanzierung von staatlichen Konjunkturpaketen zweifeln. Dazu fehlt der fruchtbare Nährboden einer reformbereiten Wirtschaftspolitik, die ein investitionsfreundliches Klima für Unternehmen und damit Arbeitsplatzaufbau, Konsum und Steuereinnahmen bietet.

Die eigentliche Rolle von Mario Draghi ist es mittlerweile, den geldpolitischen „Ausputzer“ für alle politischen Fehler zu spielen. Breitbandantibiotikum ist wohl die treffende Beschreibung.







Aktuelle Marktlage und Anlegerstimmung - Wir sind überverkauft!
Die verhaltenere Wachstumsvision der Schwellenländer belastet laut ZEW die Konjunkturerwartungen für Deutschland. Aussagekräftiger sind in diesem Zusammenhang jedoch die ifo Geschäftsdaten im deutschen Verarbeitenden Gewerbe. Die hier befragten mittelständischen Unternehmensführer können die geschäftlichen Bedingungen naturgemäß treffender beurteilen. Vorab-Schätzungen zufolge halten sich die in der nächsten Woche erwarteten ifo Daten vergleichsweise stabil.
Grafik: ifo Geschäftserwartungen und ZEW Konjunkturerwartungen
Stimmungsaufhellung am chinesischen Aktienmarkt als ultimative Bringschuld der KP
Voraussetzung dafür, dass der Blick auf die fundamentalen Chancen wieder frei wird, ist zunächst eine nachhaltige Stimmungsaufhellung am chinesischen Aktienmarkt. Das ist die ultimative Bringschuld der KP. Aber auch die Fed hat ihren Beitrag zu leisten. Der Finanzmisere der US-Ölindustrie wird sie mit zinspolitischer Ruhe entgegenwirken müssen. Was die Finanzwelt jetzt nicht braucht, ist ein Zusammenbruch des US-Energiesektors.

Werden diese Hausaufgaben gemacht, stabilisieren sich mit den Aktien- auch die realwirtschaftlichen Märkte, die wiederum die Aktienmärkte stützen.

Grundsätzlich ist der Aktienmarkt überverkauft und bietet Kaufgelegenheiten. Der zuletzt Anfang 2013 zu beobachtende vergleichsweise hohe Anteil der Pessimisten am US-Aktienmarkt, der deutlich über der unteren Begrenzung der ersten Standardabweichung liegt, unterstreicht diese Einschätzung.
Grafik: Anteil der Optimisten abzüglich Anteil der Pessimisten am US-Aktienmarkt



Allerdings wird es auf dem Weg zu allmählich abklingenden Wachstumsängsten zu zwischenzeitlichen Unsicherheitsmomenten kommen.



Charttechnik DAX und Euro Stoxx 50 - Immer noch angeschlagen
Charttechnisch stößt der DAX auf der Unterseite auf die erste Auffanglinie am Vorjahrestief bei 9.325 Punkten, gefolgt von Unterstützungen bei 8.900 und am langfristigen Aufwärtstrend bei derzeit 8.676. Darunter geben Unterstützungen bei 8.500 und bei 8.100 Halt. Im Falle einer Gegenreaktion trifft der Index bei 9.614 und insbesondere bei 9.800 auf ersten Widerstand. Darüber warten weitere Hürden im Bereich zwischen 10.123 und 10.208 Punkten.

Durchbricht der Euro Stoxx 50 die Unterstützung bei 2.850 Punkten, müssen weitere Kursverluste in Richtung der Auffangzone um 2.550 einkalkuliert werden. Im Falle einer Erholung trifft der Index bei 2.970 und 3.027 auf erste Hürden. Darüber warten nennenswerte Widerstände am kurzfristigen Abwärtstrend bei aktuell 3.125 und bei 3.137 Punkten.














ifo Daten im Mittelpunkt
Der Wochenausblick für die KW 4 - Wie widerstandfähig ist die deutsche Wirtschaft?
In China dämpft eine sich im Dezember stabilisierte Gewinnentwicklung die Konjunktursorgen in der Industrie. Auch die Exportzahlen in Japan zeigen sich freundlicher.

In den USA verdeutlichen etwas schwächere BIP-Zahlen für das zurückliegende IV. Quartal 2015, der Einkaufsmanagerindex der Region Chicago unterhalb der Expansionsschwelle und schwache Auftragseingänge langlebiger Güter, dass sich die US-Wirtschaft nicht für Zinserhöhungen im Rahmen der nächsten Sitzung der Fed anbietet. Immerhin wirkt der US-Konsum laut Konsumentenvertrauen der Universität von Michigan stabilisierend.

In der Eurozone bestätigen erste Preisschätzungen für Januar die Deflationierungstendenzen. Im Fokus stehen die ifo Daten, die ein konkretes Bild der Stimmungslage in der deutschen Industrie geben. Der GfK Konsumklimaindex dürfte erneut Schwäche zeigen.


Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank
HALVERS WOCHE
Wer 2016 nachhaltige Krisen zulässt, hat 2008 nicht verstanden!
Untergangspropheten malen das Bild eines Chinas, das kurz vor einer Mega-Rezession wie die USA im Jahr 1929 steht. Die 6,9 Prozent Wirtschaftswachstum für 2015 seien Lug und Trug. Und die in Wirklichkeit vorherrschende Konjunkturmalaise werde auch global streuen: China nimmt die ganze Welt in die Sippenhaft eines nachhaltigen Schrumpfungsprozesses.









China hat ein Wachstum zwischen drei und vier Prozent
Weniger Wachstum in China ist sogar gesund
Zugegeben, man muss kein ausgewiesener Wirtschaftsexperte sein, um zu wissen, dass diese Zahl hemmungsloses Wunschdenken ist. Wer die Handicaps im Export, bei Immobilien und in der Industrie sowie die verschuldungsbedingte Konsumbremse auch nur ungefähr kennt, weiß, dass solche Zahlen aus dem kommunistischen Märchenbuch sind, allerdings ohne Happy End.

Realistisch ist ein tatsächliches Wachstum in China zwischen drei und vier Prozent. Und ehrlich gesagt kann die Welt damit auch gut leben, ja sie sollte sogar froh darüber sein. Denn nachhaltiges Wachstum von knapp sieben Prozent führte zu einer schlimmen Überhitzung, die sich früher oder später in einem gewaltigen Platzen der Konjunkturblase entlüde. Und dann wäre ein Zusammenbruch der Weltwirtschaft so sicher wie Reis und Essstäbchen im China-Restaurant.

















Mit Tränen in den Augen ist man blind
Dem Land des Lächelns darf das Lachen nie vergehen, erst recht nicht der Welt
Wieso aber hält die KP Chinas an der Illusion von sieben Prozent Wachstum so stur fest? Es geht um gute Laune. Grundsätzlich weiß die KP, dass der Übergang von einer dynamisch wachsenden Industrie- und Exportgesellschaft zu einer nachhaltigen Dienstleistungs- und Konsumwirtschaft noch in keinem Land ohne Blut, Schweiß und Tränen geklappt hat. Auch in China gibt es heute Arbeits- und Perspektivlosigkeit. China muss mit kommunistischer Stimmungspropaganda durch die harte Zeit geführt werden. Es geht um die Illusion Chinas als Wachstumstempel, koste es, was es wolle. Ansonsten würden die Chinesen skeptisch, kämen ins Nachdenken und Nachdenken schadet zunächst der Illusion und später wird das Portemonnaie zugenagelt. Dem Volk soll der Ernst des Wirtschafts-Lebens mit frisierten Wirtschaftsperspektiven ebenso sanftmütig untergejubelt werden wie Schulanfängern die Bildungsnotwendigkeit mit einer prall gefüllten Schultüte.

Auf diesen harten Brettern der Wirtschafts-Bühne spielt der Aktienmarkt keine Statisten-, sondern eine tragende Rolle. Zwar ist der chinesische Leitindex Shanghai Composite als Abziehbild der Wirtschaft Chinas genauso untauglich wie früher der Neue Markt für die deutsche. Doch eine miese Aktienstimmung - das mussten Amerikaner und wir bitter erfahren - kann die Stimmung in der Realwirtschaft nachhaltig eintrüben. Dazu passt ein deutscher Schlager von Julio Iglesias: „Mit Tränen in den Augen ist man blind, man sieht nicht wie die Dinge wirklich sind“.

Die KP sollte sich diesen Zusammenhang schleunigst bewusst machen. Wäre der Aktienmarkt in China seit Jahresanfang nicht so eingebrochen, wäre die chinesische Wachstumsdiskussion nicht so massiv aufgekommen und auch der Druck auf den Ölpreis wäre vermutlich weniger stark ausgefallen. China hat schlafende Hunde geweckt. Hier können Maos Erben vom Leid geprüften Westen durchaus noch viel lernen: Der Zweck heiligt die Mittel.



























Die US-Zinswende muss mindestens ausgesetzt werden
Industrieländer haben gegenüber Schwellenländern die Nase vorn
Apropos Öl, die wie gesprengte Hochhäuser zusammenfallenden Rohstoffpreise werden spätestens seit Jahresbeginn als apokalyptisches Omen für die Weltkonjunktur und na klar auch wieder für die Finanzmärkte gesehen. In der Tat, in Russland, Saudi-Arabien oder Brasilien - auch die Industriemetallpreise sind schwach - ziehen sich Konjunktur- und Finanzlaune gegenseitig nach unten. Ich will die Bedeutung dieser Länder für die weltwirtschaftliche Kaufkraft und damit deren Prosperität sicher nicht klein reden. Aber wo Schatten ist, ist auch Licht. Für die konjunkturzyklischen und exportstarken Aktienunternehmen der Industrieländer liegt nicht zuletzt im Rohstoffeinkauf ihr Gewinn, auch der Gewinn für die Kaufkraft der westlichen Konsumenten. Und wenn jetzt der Iran auf den Ölmärkten wieder mitspielen darf, wird das Objekt der Begierde nicht nur noch günstiger. Gleichzeitig schreit der infrastrukturell und industriell veraltete Iran förmlich nach deutschem Industrie-Know How. Die Aufhebung der iranischen Sanktionen wird damit auch den Sanktionen gegen Russland entgegenwirken. Endlich wieder etwas mehr fundamentaler Speck an den abgenagten Konjunkturknochen.

So wird am Aktienmarkt an die Stelle des Kaufkraftverlustes der Rohstoffländer allmählich der Kaufkraftgewinn der Industrieländer treten. Daher sind Industrieländer gegenüber Emerging Markets und Rohstoffländern überzugewichten. Früher oder später wird es konjunkturreagible Titel aus dem DAX und MDAX freuen.

Man kann einwenden, dass der schwache Ölpreis der US-Fracking-Industrie aktuell die Luft zum Atmen raubt. Verschärft wird die Lage dadurch, dass diese Industrie in den nächsten zwei Jahren ca. 80 Prozent ihrer Unternehmensanleihen refinanzieren muss. Wer traut sich da zuzugreifen? Aber wird eine US-Notenbank tatsächlich zuschauen, dass die Fracking-Blase ähnlich platzt wie die Immobilienblase 2008 und weiteres Öl in das Feuer der Verunsicherung gießt? Die US-Zinswende muss mindestens ausgesetzt werden.











Ansonsten macht es in unserem Finanzsystem Knall, Puff, Peng!
Mit aller Kraft gegen den finalen Kabelbrand im Herzschrittmacher
Im Extremfall werden unnötigerweise noch mehr schlafende Krisen-Hunde geweckt, die als bösartiges Rudel dann einen internationalen deflationären Stimmungsschock wie 2008 auslösen könnten. Politische Krisen wie die Euro-Sklerose könnten unbeherrschbar werden. Und wie will man dann überhaupt noch gegensteuern, wenn die Zinsen bereits de facto bei null liegen und die Staatsverschuldung bereits völlig aus dem Ruder gelaufen ist? Alle Mühe, alle aufwendige Heilung seit 2008 war dann für die Katz gewesen.

Wer 2016 in der Finanz- und Geldpolitik schlechte Laune, Rezession und Deflation zulässt, begeht wirtschaftlichen Selbstmord. So grenzenlos dumm kann niemand sein. Die Wahrheit ist, dass gegen das Trio Infernale aus China, Öl und Europa mit Stabilität im ursprünglichen Sinne kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Sind wir ehrlich: Ohne weltumspannende vorbeugende Stabilitätssünden wird es nicht mehr gehen. Ansonsten macht es in unserem Finanzsystem Knall, Puff, Peng!

Und was machen jetzt die Anleger in dieser volatilen Marktphase: Aktienansparpläne! Nie waren sie so wertvoll wie heute!


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Redaktion:
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Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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