18. Dezember 2015
IN EIGENER SACHE
Liebe Leserinnen und Leser,

wir wünschen Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein erfolgreiches Jahr 2016 sowie ein glückliches Anlagehändchen. Vor allem aber wünschen wir Ihnen viel Gesundheit, die wichtigste Anlageklasse überhaupt.

Die nächste Ausgabe von Halvers Kapitalmarkt Monitor erscheint am 15. Januar 2016.
ROBERT HALVER IN DEN MEDIEN
Der wöchentliche Kapitalmarkt-Ausblick von Robert Halver - jetzt als Video-Kolumne auf maxblue.de.

Einen aktuellen Marktkommentar mit dem Titel Robert Halver: "Die Fed ist keine Knackwurstbude um die Ecke - Es hängt alles in unserer Welt an der Geldpolitik" können Sie auf der Website von Börsen Radio Network abrufen.

Am 16. Dezember war ich live zu Gast im ZDF heute Journal. Thema war die Zinserhöhung der US-Notenbank Fed und die Folgen für den Kapitalmarkt. Den Beitrag finden sie hier.
DER MARKT UNTER DER LUPE
Weltwirtschaft - Wieder etwas stabiler
Euro-Konjunktur - Die Geldpolitik wird das Systemrisiko „Europa“ verhindern
Geldpolitik - Was Yellen vormacht, macht Draghi nicht nach
Anleihen - Die auf ewig verlorene Anlageklasse?
Währungen - Weltweiter Abwertungswettlauf gegenüber US-Dollar
Rohstoffe - 2016 keine wirkliche Erholung
US-Aktien - Es geht nicht um die Zinswende, sondern um ihr Ausmaß
Euro-Aktien - Liquiditätshausse und Fundamentalismus
Deutsche Aktien - Zykliker mit Potenzial
Emerging Markets - Asien 2016 wieder interessant
Volatilität - Nicht als Feind, sondern als Freund des Anlegers betrachten
HALVERS WOCHE
VOLKSWIRTSCHAFTLICHE PROGNOSEN AUF EINEN BLICK
KAPITALMARKT AUF EINEN BLICK
WEITERE NEWSLETTER DER BAADER BANK
DER MARKT UNTER DER LUPE
Was machen die Kapitalmärkte 2016?

Überraschung des Jahres 2016 - Geopolitik kein Aktien-Handicap mehr
Ein gemeinsamer Feind eint mehr als 1.000 gemeinsame Freunde. Es dürfte sich endlich ein internationaler Schulterschluss abzeichnen, eine Anti-Terror-Koalition, die den Namen verdient. Die USA und Russland nähern sich wieder an, um gemeinsam gegen den IS vorzugehen. Die Chancen sind hoch, dass man die Sanktionen gegen Russland fallen lässt und Russland wieder im geopolitischen Sandkasten mitspielen kann. Ein verstärktes Ziehen an einem Strang im „Krieg“ gegen den Islamismus ist auch bei europäischen Politikern zu beobachten, die in letzter Zeit nicht gerade durch Corpsgeist oder Solidarität, sondern durch gegenseitiges Hauen und Stechen aufgefallen sind. Setzt sich diese Harmonie jetzt in der Terrorabwehr fort, wäre dies ein großartiges Signal, dass Europa trotz aller Kritik doch noch funktioniert. So würden die Finanzmärkte immer mehr geopolitisch gestützt und immer weniger geopolitisch geschwächt. Immerhin war der Konflikt des Westens gegen Russland ein Handicap für die Märkte. Und die mittelständische deutsche Wirtschaft freut sich besonders, wenn Russland als Wirtschaftsstandort wieder offen ist.


Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank





Weltwirtschaft - Wieder etwas stabiler
Die Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft 2016 stabilisieren sich leicht. In den USA bilden ein stabiler Dienstleistungssektor und der robuste Konsum das Rückgrat für die Konjunktur. Im Laufe des nächsten Jahres dürfte der US-Energiesektor das Schlimmste überstanden haben. Nicht zuletzt gelten die USA angesichts ausbleibender Reformaktivitäten in der Eurozone und mit Blick auf gewachsene politische Spannungen in Europa als eine attraktive Standortalternative für Unternehmen.
Grafik: ISM Index für den Dienstleistungssektor und das Verarbeitende Gewerbe


In China gilt angesichts der wirtschaftlichen Lethargie ein neuer Wahlspruch: Wir haben verstanden. Der neue Fünf-Jahres-Plan der Regierung setzt wie in westlichen Ländern und in Japan auf die Zangenbewegung von staatlichen Konjunkturmaßnahmen und geldpolitischer Alimentierung. Von der Aufhellung im volkswirtschaftlichen Zentralgestirn Asiens werden auch die Anrainerstaaten profitieren. Erfolgreich ist China bereits bei der planwirtschaftlichen Stabilisierung des Aktienleitindex Shanghai Composite. Damit sind Risiken, dass ein ungebremster Aktiencrash über die damit verbundene Liquiditätspräferenz auch die Kredit- und Immobilienblase platzen lassen könnte, deutlich in den Hintergrund getreten.

Grafik: China: Aktienmarkt (Shanghai Composite Index) und Konsumentenvertrauen
Das hat zwar mit Marktwirtschaft nichts mehr zu tun, doch wird sich sicherlich keine westliche Exportnation über diese künstliche Konjunkturbefruchtung beschweren. Grundsätzlich werden vergleichsweise geringere chinesische Wachstumsraten das „new normal“ sein. Denn der Fokus liegt auf einer nachhaltigen, weniger wachstumsdynamischen Binnenkonjunktur.





Euro-Konjunktur - Die Geldpolitik wird das Systemrisiko „Europa“ verhindern
Neue Konjunktur-, Banken-, Staatsschulden- oder Finanzkrisen hielte Europa nicht mehr aus. Denn ansonsten würde das größte aller Risiken, die strukturellen Zersetzungserscheinungen - die Euro-Sklerose - erst Recht nicht mehr handhabbar sein. Sollte Europa weiter nicht durch harmonische Lösungen, z.B. in der Flüchtlingsfrage, sondern durch gegenseitiges Hauen und Stechen auffallen oder werden seine Bürger und vor allem Jugendlichen weiter durch reformpolitisch unverantwortliches Nichtstun desillusioniert, wird man Europa immer mehr die Schuld daran geben. Der schließlich immer stärker aufkommende Wunsch nach nationalen Lösungen könnte Europa sogar in seiner politischen Konsistenz gefährden. In der Eurozone und der EU muss wieder politische und soziale Ruhe einkehren, damit die Briten von einem Brexit Abstand nehmen. Denn dieser wäre so etwas wie der erste Dominostein, der bei links- und rechtsradikalen Parteien in anderen EU- und Euro-Ländern unerwünschte Nachahmereffekte auslösen könnte.

In einem ersten Schritt wird daher als Gegenleistung für eine solidarische Lösung der Flüchtlingskrise die massive, im Extremfall sogar komplette Aufweichung von Haushaltsdisziplin verlangt und auch gewährt werden. Die Schuldenmanie der Eurozone zur Wachstumsförderung geht so nicht nur weiter, sie wird sogar auf eine neue Ebene gehoben. Deren Alimentierung übernimmt die EZB, die damit immer mehr auch eine politische Aufgabe erhält. Damit ist auch die Stimmungsstabilisierung angesichts der Zunahme der Terrorgefahr verbunden. Grundsätzlich wird mit mehr Verschuldung mehr Wirtschaftswachstum angestrebt.
Grafik: Eurozone: Wirtschaftswachstum und Verschuldung


Im vorauseilenden Gehorsam sorgt die Geldpolitik über die künstliche Drückung der Refinanzierungskosten weiterhin für einen Finanzminister freundlichen Zinsdienst auf die Staatsverschuldung: Von 2002 bis 2016 wird sich die Staatsverschuldung in der Eurozone zwar knapp verdoppelt, jedoch der Anteil der Zinszahlungen an den Staatsausgaben bei erwarteter Beibehaltung des aktuell günstigen Anleiherenditeniveaus von 6 auf 0,5 Prozent verringert haben. Dies wiederum erlaubt die Wiedererfüllung des Maastricht-Stabilitätskriteriums, wonach die jährliche Neuverschuldung unter drei Prozent der Wirtschaftsleistung bleiben soll. So wird die Stabilitätsunion künstlich geschaffen, obwohl sie tatsächlich keinen Puls mehr hat.
Grafik: Eurozone: Staatsverschuldung, in Mrd. Euro und jährliches Haushaltsdefizit, in Prozent der Wirtschaftsleistung





Vor diesem Hintergrund setzt die Euro-Wirtschaft ihre staatswirtschaftliche Konjunkturerholung fort. Unterstützt wird sie jedoch auch durch immer mehr privatwirtschaftliche Impulse, die sich auf einen schwachen, exportbegünstigenden Euro und grundsätzlich verhalten bleibende Rohstoffpreise gründen. Dieses Bild unterstreichen die aufgehellten Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe in der Eurozone.
Grafik: Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe in der Eurozone





Geldpolitik - Was Yellen vormacht, macht Draghi nicht nach
Die Fed hat den US-Notenbankzins zwar um 25 Basispunkte angehoben. Die beruhigende Verbalerotik von Fed-Chefin Yellen im Anschluss an ihre Zinserhöhungsentscheidung sowie die Leitzinsprojektion der Fed (1,375 Prozent Ende 2016, was eher die Maximalhöhe darstellt) signalisieren aber deutlich, dass es keine Zinserhöhungsrunde der Fed mit Schaum vor dem Mund wie zwischen 2004 und 2006 geben wird. Mit einem Anstieg von einem auf 5,25 Prozent hatte man damals nicht nur die ungeliebte Immobilienblase wie eine Fliege auf der Vase zerschlagen, sondern die US-, Schwellenländer- und Weltkonjunktur gleich mit. So betonte Yellen explizit, dass weitere Zinsschritte auch durchaus geringer als 25 Basispunkte ausfallen könnten und ohnehin grundsätzlich von zukünftigen Konjunkturdaten abhängig sind. Deren Zinserhöhungspotenzial ist jedoch gerade auch aus Inflationssicht rar gesät.

So ist der US-Arbeitsmarkt zwar quantitativ robust, auf qualitativer Ebene ist jedoch der Mangel einkommensstarker Jobs klar erkennbar. Im Übrigen geht die Fed selbst von einem weiterhin schwachen Inflationsdruck aus. Auch muss die US-Notenbank ihren Blick neben der US- auch auf die Weltkonjunktur, insbesondere die Schwellenländer richten. Diese nehmen bei zu massiven Zinserhöhungen Schaden, denn dann steigt die Kapitalflucht in das zinsattraktive Amerika bei zusätzlicher Perspektive einer Währungsaufwertung. Den Schwellenländern würde Investitionsgeld fehlen. Überhaupt steht ein starker US-Dollar historisch für schwache Rohstoffpreise, die den Rohstoffländer Kaufkraft nehmen.

Insgesamt hat Frau Yellen keinen Grund für eine zinspolitische Wurzelbehandlung. Im Übrigen gibt ihr der Präsidentschaftswahlkampf in den USA ein Alibi, zinspolitisch wahlkampfneutral, also ruhig zu bleiben. Das Wort US-Zinswende klingt insofern dramatischer als sie es in der Realität ist. Im Übrigen zeigt die Finanzhistorie, dass erste Zinserhöhungen auch der Beweis für eine zumindest stabile US-Konjunktur sind.

Asymmetrisch ist dagegen die Geldpolitik der EZB. Sie zeigt sich von den bisherigen Erfolgen ihres Anleiheaufkaufprogramms offensichtlich wenig überzeugt: Ein markanter konjunktureller Durchbruch und eine erfolgreiche Deflationsbekämpfung wird auch 2016 schwer zu erreichen sein. Daher bleibt sie ihrer geldpolitischen Dynamik treu. Mario Draghi hat wiederholt deutlich gemacht - auch mit Blick auf geopolitische und Terrorrisiken - dass die EZB allzeit bereit ist, eine weitere Ausweitung oder abermalige Verlängerung ihres Aufkaufprogramms vorzunehmen, wenn die Inflationsentwicklung weiter enttäuschen sollte.
Grafik: Liquiditätsausstattung in der Eurozone und 5-jährige Inflationserwartungen in 5 Jahren
Auch die Schwellenländer kommen nicht mehr an einer westlich orientierten, üppigen Geldpolitik vorbei, um erstens ihre angeschlagenen Volkswirtschaften über die zinsgünstige Refinanzierung von schuldenfinanzierten Konjunkturpaketen zu stützen und zweitens über unattraktive Staatsanleiherenditen auch ihre Währungen zum Wohle der Exportindustrie abzuschwächen. Die Rückkehr zu einer normalen Zinspolitik bleibt eine Illusion.
Grafik: Weltweite Notenbankzinsen







Anleihen - Die auf ewig verlorene Anlageklasse?
Zinsanlagen bleiben unattraktiv. Ob Staats-, Industrie- und Bankanleihen oder Jumbo Pfandbriefe, der Renditeverfall findet in allen Teilsegmenten kontinuierlich statt. Die geldpolitische Daueralimentierung der Finanzmärkte verursacht einen Anlagenotstand, der auch die letzten, noch verbliebenen Renditepotenziale abweidet. So wird die ohnehin schon größte Anlageblase aller Zeiten, die Anleiheblase, noch größer. Damit der Finanzwelt über ihr Platzen nicht der entscheidende Schlag versetzt wird, muss die internationale Geldpolitik ihre freizügige Zins- und Liquiditätspolitik fortsetzen, was wiederum die Renditen unter Druck hält.

Zwar sind US-Zinswenden in der Vergangenheit mit Anstiegen der Renditen von Staatsanleihen verbunden gewesen, insbesondere dann, wenn die Leitzinserhöhungen deutlich ausfielen. Das war beim Rentenschock 1994 der Fall. Doch ist in den USA die sanfteste aller Zinswenden zu erwarten. Ohnehin, sollten die Anleiherenditen und damit auch die Kredit- und Bauzinsen zu stark ansteigen, würde die Fed auch nicht vor einem dann vierten Quantitative Easing zum Wohle der Finanzmärkte zurückschrecken. Vom aktuellen Stand hält sich der Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen somit in vergleichsweise engen Grenzen.
Grafik: US-Notenbankzins und Renditen 10-jährige -USStaatsanleihen
In der Eurozone treibt die EZB die Banken mit einer weiteren Senkung des Einlagenzinses auf minus 0,3 Prozent zu noch mehr Anleihekäufen an. Damit bezweckt sie, dass Anleiheinvestoren von kürzeren auf längere, renditeattraktivere Laufzeiten ausweichen und so auch deren Renditeanstieg begrenzen.
Grafik: Zinsstrukturkurve in Deutschland und EZB Einlagenzins





Währungen - Weltweiter Abwertungswettlauf gegenüber US-Dollar
Neben der primären Preisstabilität und sekundären Konjunkturstabilisierung hat die EZB noch ein drittes, wenn auch inoffizielles Ziel, nämlich die Abwertung der Gemeinschaftswährung zur exportseitigen Wettbewerbsverbesserung der Eurozone. Sicherlich spielt die Leitzinswende in den USA, von der die Eurozone sehr weit entfernt ist, der EZB in die Hände. Zur Effektverstärkung der Währungsabwertung zielt das verlängerte Anleiheaufkaufprogramm der EZB darauf ab, die Attraktivität von Staatsanleihen der Eurozone gegenüber konkurrierenden Papieren anderer Anlageregionen wie den USA noch weiter zu verringern. Denn ein wesentliches Argument für Wechselkursbewegungen sind Renditeunterschiede. Bereits aktuell bieten 10-jährige US-Staatsanleihen ca. 1,7 Prozentpunkte mehr Rendite als deutsche. Setzt die EZB über verstärkte renditedrückende Anleihekäufe den Renditenachteil der Eurozone noch weiter fort, ist eine weitere Abwertung der Gemeinschaftswährung in Richtung Parität zum US-Dollar, auf etwa 1,03 bis Jahresende, vorgezeichnet.
Grafik: Renditedifferenz 10-jähriger Staatsanleihen Deutschland minus USA und Wechselkurs Euro/US-Dollar
Auch in Japan setzt die Notenbank auf die konsequente Schwächung des Yen zur Stützung der Exportindustrie. In Verbindung mit der Zinswende der US-Notenbank sorgt das für eine weitere Abwertung des Yen gegenüber seinen Handelskonkurrenzwährungen.

Während die Dollar-Stärke für Japan, die Eurozone und die Schwellenländer positive exportseitige Auswirkungen hat, ist sie für die Schwellenländer, die zu großen Teilen in Dollar verschuldet sind, auch eine reale Gefahr. Sie müssen deutlich mehr für den Zins- und Tilgungsdienst ihrer mehrheitlich auf US-Dollar-Basis aufgenommenen Staats- und Unternehmensschulden aufwenden. So muss Brasilien über die Real-Abwertung allein in diesem Jahr etwa 32 Prozent mehr für die Bedienung seiner Dollar-Auslandsschulden als 2014 aufwenden. Allerdings ist die behutsame zinspolitische Wende der Fed geeignet, den bisherigen Leitzinserhöhungsangst geschuldeten Währungsaufwertungsdruck des Dollars gegenüber den Schwellenländern in Grenzen zu halten.
Grafik: Entwicklung wichtiger Schwellenländer-Währungen zum US-Dollar seit Jahresbeginn, indexiert





Rohstoffe - 2016 keine wirkliche Erholung
Bei Rohstoffen ist die „Neue Sachlichkeit“ angesagt. Die Dollar-Aufwertung wirkt preisdrückend auf Rohstoffe, da sich US-Dollar und Rohstoffpreise u.a. aus Absicherungsgründen entgegengesetzt entwickeln. Zudem hat die Rohstoffnachfrage der Schwellenländer als Preistreiber im Rahmen der aktuellen Wachstumsschwäche nachgegeben.
Grafik: Entwicklung des US-Dollars gegenüber bedeutendsten Handelswährungen und Rohstoffindex, in US-Dollar


Die Perspektive, dass der Iran ab 2016 wieder an die Energiemärkte zurückkehrt und Saudi-Arabien diese neue Konkurrenz über hohe Förderquoten fernzuhalten versucht, ist ein nachhaltiger Belastungsfaktor für den Ölpreis. Und auch die USA wollen nach einem entsprechenden Kongressbeschluss zur Finanzierung des Staatshaushalts nach mehr als 40 Jahren wieder in der Rolle des Rohöl-Exporteurs auftreten. Für Entspannung sorgt jedoch die Einschätzung der OPEC, dass es zu einer Erholung der Nachfrage nach OPEC-Öl bei gleichzeitigem Angebotsrückgang außerhalb der OPEC kommt. Immerhin benötigen die von Energiepreis-Völlerei lange Zeit verwöhnten Ölländer deutlich höhere Rohölpreise, um einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu erreichen.

Grafik: Erforderlicher Ölpreis für ausgeglichene Staatshaushalte von Öl-Förderstaaten
Für eine klare Erholung bei Rohöl spricht allerdings wenig. Ölkrisen mit massiv steigenden Energiepreisen wird es nicht mehr geben. Denn oberhalb der Marke von 60 US-Dollar pro Barrel Brent-Öl wird es wieder attraktiv, die alternative Fördermethode „Fracking“ zu betreiben. Preise jenseits der Marke von 100 US-Dollar pro Barrel werden damit auf absehbare Zeit der Vergangenheit angehören.

Da der Ölpreis so etwas wie der Rudelführer unter den Rohstoffpreisen ist, haben auch Industriemetalle nachgegeben. Das ist auch der Grund, warum sich Brasilien tief in der Rezession befindet. Alle Rohstoffländer sehen sich 2015 gegenüber 2012 einem Nachfrageausfall von annähernd zwei Billion US-Dollar ausgesetzt. Dieser Kaufkraftverlust macht natürlich auch vor Exportnationen nicht halt. Insgesamt braucht eine so gehandicapte Weltwirtschaft auch noch weniger Öl und Industriemetalle. Eine nachhaltige Trendwende bei Rohstoffen ist 2016 nicht zu erwarten.


US-Aktien - Es geht nicht um die Zinswende, sondern um ihr Ausmaß
Sehr entscheidend für US-Aktien ist die Marktpsychologie der US-Zinspolitik: Fed-Chefin Yellen wird nach der vollzogenen Zinswende die verbale Dauerberuhigung fortsetzen und glaubhaft deutlich machen, dass zukünftige Zinsrestriktionen homöopathisch ablaufen und somit die US-Wirtschaft nicht wirklich abbremsen. Ansonsten würde sich das Schadenspotenzial eines massiven Zinserhöhungsschocks ähnlich dem zwischen 2004 und 2006 fatal entfalten, als zunächst die umfangreichen Wertpapierkredite, danach die Aktien- und schließlich die realwirtschaftlichen Märkte einbrachen. Eine Stabilisierung der Wertpapierkredite signalisiert aber grundsätzliches Vertrauen in eine zukünftig barmherzige US-Zinspolitik.

Grafik: US-Notenbankzins und Wertpapierkredite an der New York Stock Exchange
Vor diesem Hintergrund besitzen neben substanz- und gewinnstarken Konsum- und Pharmawerten aus den Aktienindices Dow Jones Industrial Average oder S&P 500 auch der IT- und Social Media-Sektor sowie die Wachstumsbranchen High- und Biotech Potenzial, die sich auch 2016 einem positiven Fundamentalumfeld gegenüber sehen. Darüber hinaus dürften US-Aktien die Konjunkturversprechen im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl in der zweiten Jahreshälfte 2016 zugutekommen.







Euro-Aktien - Liquiditätshausse und Fundamentalismus
In puncto Anleihekäufen ist die EZB im Vergleich zu anderen Notenbanken noch ein Waisenkind. Während die Fed bislang ca. 44 Prozent der umlaufenden US-Staatsanleihen aufgekauft hat, liegt die EZB erst bei 15 Prozent.
Grafik: Anteil der von den Notenbanken bislang aufgekauften Staatsanleihen
Mit Blick auf ihre Aufkaufabsichten wird die EZB diesen Vorsprung zunehmend aufholen, auch um Deflationsgefahren zu bekämpfen und um konjunkturschädliche Renditeanstiege im Keim zu ersticken. Damit verlaufen die Geldpolitiken von Fed und EZB divergent: Während die US-Notenbank liquiditätspolitisch verharrt und eine - wenn auch nur leichte - Leitzinswende vollzieht, weitet die EZB ihre Ausstattung mit Zentralbankgeld weiter deutlich aus und denkt gar nicht an Leitzinserhöhungen. Die Aktienmärkte der Eurozone profitieren damit auch 2016 grundsätzlich weiter von einer Liquiditätshausse. Die renditedrückende Wirkung der Anleiheaufkäufe der EZB verhindert auch 2016 wettbewerbsfähige Anlagealternativen am Rentenmarkt. Gegenüber ihren Niedrigrenditen bieten Aktien aus Deutschland und der Eurozone Eigenkapitalrenditen von 11 bzw. 8 Prozent.
Grafik: Eigenkapitalrenditen von Unternehmen in Deutschland bzw. der Eurozone und Rendite 5-jähriger Euro-Unternehmensanleihen (BBB), Umlaufrendite deutscher Staatstitel sowie 3-Monats-Zinsen
Die schwachen Alternativrenditen im Zinsvermögen dienen nicht zuletzt als geldpolitische Lebensversicherung für Aktien: Während nach den Zusammenbrüchen der Aktienmärkte 2001 bzw. 2008 deutsche Staatspapiere durchschnittlich mit Renditen zwischen vier und fünf Prozent ausgestattet waren, müssen sich Anleger heutzutage mit Renditen von weniger als 0,5 Prozent zufrieden geben. Dem gegenüber werden ab Jahresanfang Dividendentitel der Substanzbranchen Pharma, Chemie, Telekom und Versicherungen als Ersatzbefriedigung zu Zinsanlagen wieder attraktiv.
Grafik: DAX und Umlaufrendite
Hinzu kommen aber auch zunehmend fundamentale Faktoren. Neue schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme stützen das Wirtschaftswachstum grundsätzlich. Außerdem haben wir Nachholpotenzial wegen der Euro-Staatsschuldenkrise, wir haben im Gegensatz zu den USA keinen großen Rohstoffsektor, profitieren aber von den günstigen Öl- und Industriemetallpreisen. Diese machen sich in höheren Gewinnmargen der Unternehmen und steigender Kaufkraft der Konsumenten bemerkbar. Hinzu kommt der exportbegünstigende Euro.
Grafik: Euro, gewichtete gegenüber wichtigsten Handelswährungen und Aktienmarkt Eurozone





Deutsche Aktien - Zykliker mit Potenzial
Insgesamt abklingende weltkonjunkturelle Wachstumsängste stützen 2016 das Industrielabel „Made in Germany“ und sorgen wieder für stabilere Umsatz- und Gewinnperspektiven von konjunktursensitiven und exportorientierten Aktien. Vor diesem Hintergrund haben Titel der zyklischen Branchen Elektro, Maschinenbau, Chemie und Automobile - auch die aus dem MDAX - Potenzial. Insgesamt dürfte der MDAX seine relative Stärke gegenüber dem DAX sogar behalten.
Grafik: ifo Geschäftserwartungen und Wertentwicklung MDAX gegenüber DAX
Es ist daher nicht erstaunlich, dass sich das Gewinnwachstum in Deutschland und Europa im internationalen Vergleich robust zeigt.
Grafik: Globales Gewinnwachstum







Emerging Markets - Asien 2016 wieder interessant
Fundamental bieten die Schwellenländer ein differenzierteres Bild. Setzt man die Leistungsbilanzqualität der Schwellenländer in Bezug zu ihrer Finanzstärke, gemessen als Quotient aus Auslandsreserven und kurzfristiger Auslandsverschuldung, sind vor allem die Länder für eine Austrocknung der Kapitalzuflüsse anfällig, die von Güterimporten wie Energie und ausländischem Kapital abhängig sind. Das gilt insbesondere für die Türkei, Südafrika, Brasilien und Indonesien.

Im Gegensatz dazu weisen Südkorea, China, Russland und mit Abstrichen Indien eine positive Leistungsbilanz aus, die sie in die Lage versetzt, ihre kurzfristige Verschuldung durch Währungsreserven zu decken. De facto zeigt sich ein für die Stabilität der Weltwirtschaft bedeutender Teil der Schwellenländer gegen Kapitalflucht grundsätzlich gut gewappnet und hebt sich deutlich von der „Peripherie“ ab.
Grafik: Schwellenländer im Vergleich: Leistungsbilanz, in Prozent des BIP und Quotient aus Auslandsreserven und kurzfristiger Auslandsverschuldung
Nicht zuletzt hat die Einschätzung der soften US-Leitzinswende zu einer Stabilisierung der Währungen der Schwellenländer gegenüber dem US-Dollar geführt.

Insgesamt haben sich die Konjunkturerwartungen in den asiatischen Schwellenländern bereits den zweiten Monat in Folge erholen können. Eine Wiederholung der Asienkrise von 1997/98 ist damit nicht zu erwarten. Nach der Korrektur 2015 werden Aktien aus den asiatischen Schwellenländern im nächsten Jahr wieder interessant.
Grafik: Sentix Konjunkturerwartungen für die nächsten 6 Monate und Aktienmärkte der asiatischen Schwellenländer





Volatilität - Nicht als Feind, sondern als Freund des Anlegers betrachten
Die Volatilität an den Finanzmärkten wird angesichts nicht ausgestorbener Krisen zunehmen. Die steigenden Schwankungsbreiten schreien förmlich nach Aktienansparplänen. Und das am besten auf Aktienindices, um das Einzelwertrisiko zu mildern und am besten regelmäßig, um das Risiko größerer einmaliger Anlagen zu umgehen. Denn des Anlegers bester Freund ist der Durchschnittskosteneffekt. Bei monatlichem Ansparen erhält man als Anleger bei steigenden Kursen zwar weniger Aktienanteile, dafür nimmt man jedoch die Kurssteigerungen mit. Und wenn die Kurse zwischenzeitlich fallen, erhält man bei gleichbleibendem Ansparplan mehr Aktienanteile. Bei wieder steigenden Kursen macht sich das kaufmännische Motto „Im Einkauf liegt der Gewinn“ positiv bemerkbar.
Grafik: Kursschwankungen am deutschen Aktienmarkt gemäß VDAX-Volatilitätsindex und DAX


Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank
HALVERS WOCHE
„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“
Das Jahresende ist immer wieder die Zeit für Prognosen für DAX & Co. Wie wird 2016? Früher war das noch vergleichsweise einfach. Damals in der guten alten Kapitalmarkt-Zeit gab es noch so etwas wie typische Verlaufsmuster gemäß normalem Konjunkturzyklus aus Aufschwung, Boom, Abschwung und Rezession. Bei schlechter Konjunktur senkte die Notenbank die Zinsen, die Wirtschaft erholte sich, die Unternehmen hatten mehr Umsatz- und Gewinnwachstum und die Aktien stiegen. Bei konjunktureller Überhitzung zog die Zentralbank die Zinszügel wieder an, Konjunktur und Unternehmen schwächelten, Aktienkurse fielen und anschließend begann der Kreislauf mit Zinserleichterungen von vorne. Für die Analyse und Einschätzung der Finanzmärkte waren dies relativ einfach zu prognostizierende Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge ähnlich dem Motto „Gewicht plus Kraft gleich Hühnerauge“.













Wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht

Politik ist wie ein Überraschungsei: Man weiß nie, was drin ist
Heute sind diese analytisch paradiesischen Grundwahrheiten arg verwässert. Im Gegensatz zu früher mischt sich die große Politik gerne und breit ein, leider nicht immer mit klar erkennbarer Perspektive. Das macht die Arbeit des Analysten nicht einfach. Im Gegenteil, Politik einzuschätzen ist schwieriger als einen Sack Flöhe zu hüten. Nachdem die Politik zunächst meinte, die Finanzmärkte massiv deregulieren zu müssen, betreibt sie heute Fesselspiele mit ihnen. Ach wie „liebe“ ich jene Politiker, die früher noch die finanzwirtschaftliche Religionsfreiheit von Banken & Co. beschwörten und heute am lautesten „Ans Kreuz mit ihnen“ rufen.

Einschätzungen von DAX & Co. sind aber auch schwierig, weil es an nachhaltigen marktwirtschaftlichen Visionen fehlt. So werden dringende, schmerzhafte Reformen zur Standortverbesserung mit Blick auf Wünsche und Interessen der wählenden Bevölkerung gerne unterlassen. Doch wer dem Wähler nie mehr kalte Winter verspricht, wer populistisch nach allen Seiten offen ist, läuft Gefahr, nicht ganz dicht zu sein. Wie auch immer, heutzutage ist Wirtschaftspolitik so berechenbar wie der Auftritt der Schwiegermutter an Weihnachten: Es kommt immer auf ihre Laune an.



Schwarze Schwäne kündigen ihr Erscheinen leider nie an
Das Rendezvous mit der Globalisierung ist nicht immer ein Lustgewinn
Ein weiteres Handicap für Kapitalmarktprognosen stellt die zunehmende Verzahnung der Weltwirtschaft dar. Das Haus Germania hat seine Türen und Fenster weit für Globalisierung geöffnet und jetzt kommen von allen Seiten angenehme Gerüche, mitunter aber auch viel Gestank hinein. Es ist nicht mehr egal, ob in einem wichtigen asiatischen Schwellenland ein Sack Reis umfällt. Über internationale Schockwellen spüren die typischerweise konjunkturzyklischen und exportorientierten Aktien aus Deutschland diesen Aufprall deutlich. Übrigens, plötzliche China-Böller wie im August und September zeigen leider, dass schwarze Schwäne ihr Erscheinen nicht ankündigen.



Finanzmärkte sind von der Geldpolitik völlig verzogen worden
Die Geldpolitik hat die Finanzmärkte unter Drogen gesetzt und scheut den Entzug
Mit Einschätzungsrisiken behaftet sind aber vor allem die globalen Finanzmärkte selbst. Sie benehmen sich nicht mehr wie wohlerzogene Hunde mit Hundeschulhintergrund, sondern teilweise wie unerzogene Straßenköter, die im Park die Kaninchen jagen. Sie haben eine schwer prognostizierbare, freche Eigendynamik entwickelt. Schuld daran sind ihre völlig disziplinlosen Herrchen bzw. Frauchen aus den Chefetagen der Notenbanken. Sie haben die Märkte zu sehr verwöhnt, konkret mit viel zu vielen Leckerlies, sprich Liquidität völlig überfüttert. Damit haben die Notenbanker einen dramatischen Anlagebedarf geschaffen. Sie haben zum Halali, zum großen Anlagefressen geblasen: Die einst saftigen Renditewiesen im Zinsvermögen wurden nacheinander alle abgefressen als wären Wanderheuschrecken am Werk gewesen.

Wissen Sie was heute Optimismus ist? Optimismus ist, wenn man auf Zinserholung hofft. Die wird es nicht geben, weil ansonsten die Zeppelin große Anleiheblase platzt und die Finanzwelt 2016 kein frohes Neues Jahr vor sich hätte. Daher wird auch zukünftig die internationale Bruderschaft des billigen Geldes, wozu mittlerweile auch China gehört, das Geldgebläse nicht abstellen, sondern weiter aufdrehen. Diese geldpolitische Disziplinlosigkeit ist mittlerweile chronisch, nicht mehr therapierbar. Aber wie will man jetzt Kapitalmarktprognosen in einem Kapitalismus treffen, der sein charakteristischstes Element verloren hat, den Zins? Welche Bewertung ist für Aktien richtig, wenn ihre größte Konkurrenzanlageklasse „Anleihen“ mit dem 10-fachen des historischen Durchschnitts bewertet ist? Muss man dann auch Aktien die 10-fache Bewertung zubilligen? Unter dieser Betrachtung wären alle aktuellen Aktienkurse Jahrhundert-Schnäppchen.











„Let it flow, let it flow, let it flow“ als ganzjähriger Evergreen
Das Konjunktur-Dornröschen reagiert nicht auf geldpolitisches Wachküssen, aber man versucht es immer weiter
Mittlerweile sind die Draghis dieser Welt leider nicht mehr fähig, die Realwirtschaft wie früher zu erreichen. Die überbordende Verschuldung ist wie eine Fußfessel, die trotz Liquiditätsfedern keine großen Wachstumssprünge mehr zulässt. Und die Inflation kommt auch nicht in die Gänge. Nicht zuletzt sind damit nur vergleichsweise verhaltene Gewinnausweise der Unternehmen verbunden, normalerweise kein Katalysator für steigende Aktienkurse.

Hat die Geldpolitik jetzt ihre realwirtschaftliche Erfolglosigkeit eingesehen? Nein, man wird mit noch mehr Zentralbankgeld von Draghi versuchen, das verschüchterte Konjunktur-Rehlein aus dem Euro-Wald zu locken. Man will den typischen Konjunkturzyklus kastrieren: Einen Abschwung oder gar eine Rezession sollen tunlichst verhindert werden. Damit verfolgt die EZB aber auch ein politisches Ziel: Über die Verhinderung neuer Konjunktur-, aber ebenso Banken-, Finanz- und Staatsanleihekrisen soll das viel größere Risiko einer Euro-Sklerose - der Zerfall Europas - verhindert werden. Denn sind wir ehrlich: Europa hat ein ernstes Konsistenzproblem. Bei ihrer stimmungsvollen Geldpolitik wird sich die EZB an einem bekannten Weihnachtslied orientieren, allerdings im Refrain einen einzigen Buchstaben austauschen. Statt „Let it snow, let it snow, let it snow“ wird 2016 ganzjährig „Let it flow, let it flow, let it flow“ erklingen. Draghi denkt nämlich gar nicht daran, Frau Yellen nachzufolgen und zinspolitisch restriktiv werden. Denn das ist die Gelegenheit, den Euro platt zu klopfen und damit dem Export auf die Sprünge zu helfen.

Ist es nicht absurd, dass Aktien heutzutage am besten laufen, wenn die Konjunktur nicht läuft. Dann nämlich gibt es noch mehr Liquidität zum Anlegen. Was für ein irres Szenario für Prognosen 2016.



Wo die Not am größten, ist die Notenbank am nächsten
Kann man dennoch Kapitalmarktprognosen für 2016 wagen?
Insgesamt mangelt es heute an einem normalen, historisch bewährten Leitplankensystem für Kapitalmarktprognosen. Es fehlt so etwas wie die in der Kirche vorhandenen Heiligenbilder, an denen man sich festhalten kann. Die Wände in den heutigen Finanztempeln sind nackt, man findet keinen Halt, man rutscht ab.

Doch auch dieses Unnormale wird mehr und mehr normal. Überhaupt findet sich in diesem unsicheren Kapitalmarktszenario zumindest eine große - wenn auch kritisierbare - Konstante. Die Finanzmärkte kommen in den Genuss eines neuen Glaubensbekenntnisses: Wo die Not am größten, ist die Notenbank am nächsten.

Vor diesem Hintergrund glaube ich als Kapitalmarktanalyst, dass das neue Aktienjahr 2016 besser wird als sein heute vielfach noch schlechter Ruf vermuten lässt. 12.000 Punkte beim DAX sind drin, vielleicht sogar mehr. Allerdings wird die Kursschwankungsbreite angesichts nicht ausgestorbener Krisen und Konflikte zunehmen. Doch Volatilität macht den Aktienmarkt zu einem Paradies für Trader, zu einem ähnlichen Paradies wie der Markusplatz in Venedig für die dort fett gefütterten Tauben.

Apropos Volatilität, ihr kann man auch mit der banalsten, aber auch genialsten Anlagestrategie überhaupt, nämlich Aktienansparplänen gut begegnen. Denken Sie an die Kraft der zwei Herzen: Geht es nach oben, sind Sie reicher. Geht es nach unten, erhalten Sie mehr Aktienanteile für Ihr Geld.

Vergessen Sie 2016 bitte auch nicht die Dividenden als Ersatzbefriedigung für nicht mehr vorhandene Zinsen. Nicht zuletzt wirken dividendenstarke Titel als Risikopuffer gegen Kursverluste.

Liebe Anlegerinnen und liebe Anleger, bleiben Sie Aktien bitte treu. Denn wenn sie nicht gestorben sind, dann pumpen sie noch morgen und übermorgen Geld in die Finanzmärkte.

Glück auf!


VOLKSWIRTSCHAFTLICHE PROGNOSEN AUF EINEN BLICK

KAPITALMARKT AUF EINEN BLICK




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BAADER BANK
Die Baader Bank ist Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten und eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region.

Als Market Maker / Spezialist sind wir für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von ca. 860.000 Wertpapieren verantwortlich.
Im Investmentbanking entwickeln wir Finanzierungslösungen für Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum. Institutionellen Anlegern bieten wir umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten.


Herausgeber:
Baader Bank AG
Weihenstephaner Str. 4
85716 Unterschleißheim
Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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