5. Februar 2016
ROBERT HALVER IN DEN MEDIEN
Der wöchentliche Kapitalmarkt-Ausblick von Robert Halver - jetzt als Video-Kolumne auf maxblue.de.
DER MARKT UNTER DER LUPE
Angeschlagene Weltwirtschaft als willkommenes Alibi für US-Zinsentspannung
Wenn aus Zins-Falken -Tauben werden
Aktuelle Marktlage - Die Fed könnte einen positiven Dominoeffekt bei Aktien auslösen
Chinas Planwirtschaft - Nie war sie für die Anlegerstimmung so wichtig wie heute
Die Aktienmärkte sind überverkauft - Der Bärenmarkt verliert an Kraft
Charttechnik DAX und Euro Stoxx 50 - Die Bewährungsprobe
Der Wochenausblick für die KW 6 - Wachstums-Check für die Eurozone
HALVERS WOCHE
GRAFIK DER WOCHE
VOLKSWIRTSCHAFTLICHE PROGNOSEN AUF EINEN BLICK
KAPITALMARKT AUF EINEN BLICK
WEITERE NEWSLETTER DER BAADER BANK
DER MARKT UNTER DER LUPE
Ende der US-Leitzinswende
Der Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank steht zur Disposition. Zunächst lassen aus nationaler Sicht die Zinsargumente nach. Mittlerweile geht es nicht mehr nur um die verhaltene Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe der USA, das sich bereits in der Rezession befindet. Auch im bislang stabilen Dienstleistungssektor hat sich nach der dritten Eintrübung in Folge ein Abwärtstrend etabliert.


Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank
Grafik: ISM Index Dienstleistungssektor und Verarbeitendes Gewerbe













Arbeitsplatzaufbau lässt auch im Dienstleistungssektor nach
Die US-Notenbank beunruhigt insbesondere die Beschäftigungsplanung. Diese ist in der US-Industrie bereits seit Mitte 2015 stark rückläufig und signalisiert weiteren Stellenabbau. Als Handicap erweist sich aktuell der US-Energiesektor. Gerade das Öl- und Gas-Fracking war als Ausgangspunkt der nächsten industriellen Revolution in den USA gedacht. Ihre im Vergleich zu konventioneller Förderung günstigeren Ölpreise sollten nicht nur der US-Exportindustrie internationale Wettbewerbsvorteile verschaffen, sondern auch ausländische Industrieansiedlungen fördern. Nicht zuletzt sollte über diese Zukunftsbranche insgesamt eine neue amerikanische Beschäftigungsoffensive in Gang gesetzt werden. Bislang jedoch verhinderten die schwachen Ölpreise diese Zukunftshoffnungen.

Mittlerweile macht sich aber auch im früher robusten Dienstleistungssektor ein spürbar langsamerer Beschäftigungsaufbau bemerkbar.
Grafik: ISM Subindex Beschäftigungsplanung Dienstleistungssektor und Verarbeitendes Gewerbe
Finanzkrise im US-Energiesektor Argument für Ende der Zinswende
Aber auch das Thema Finanz- bzw. Bankenkrise ist in den USA wieder auf dem Tisch. Der Investitionsboom der US-Fracking-Industrie basierte auf einer dramatischen Refinanzierung über Unternehmensanleihen und Bankenkredite, die insbesondere 2016 und 2017 fällig sind und refinanziert werden müssen. Die ölpreisbedingt schwachen Einnahmen des Energiesektors haben aber bereits zu Liquiditätsengpässen und massiv notleidenden Krediten sowie rückzahlungsgefährdeten Energieanleihen geführt. Schätzungsweise sind ein Drittel der Finanzierungen ausfallgefährdet. Der massive Kursverfall von US-Unternehmensanleihen (High Yield) aus dem Energiesektor unterstreicht diese dramatische Markteinschätzung. Die Angst vor einer Insolvenzwelle bei Energiefirmen mit negativer Ausstrahlung auf Banken hat die Aktienentwicklung der Banken bereits in Mitleidenschaft gezogen. Auch vor diesem Hintergrund gibt es keinen Grund für eine Fortsetzung der US-Leitzinswende.
Grafik: US-Unternehmensanleiheindex, Energiesektor und US-Bankaktien







Angeschlagene Weltwirtschaft als willkommenes Alibi für US-Zinsentspannung
Auch die globalen Konjunkturrisiken kann die Fed nicht unbeachtet lassen. In China verdeutlicht die Neuauftragskomponente des offiziellen Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe die Neue Sachlichkeit der Industrie. Immerhin hält sich das Dienstleistungsgewerbe stabil, kann aber einen Dynamikverlust auch nicht leugnen. Allerdings sollte man sich auch vor Augen führen, dass Chinas Übergang zu einer nachhaltigeren Wachstumsphantasie nach langen Jahren des Turbo-Wachstums logisch ist. Anderenfalls würde eine dramatische konjunkturelle Überhitzung drohen, die ein Platzen der Wirtschaftsblase nach sich ziehen würde.
Grafik: China: Offizieller Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe und Subindex Neuaufträge Verarbeitendes Gewerbe sowie Wirtschaftswachstum
Auch Europa hat konjunkturell zu kämpfen
Auch die Eurozone zeigt sich gemäß der Eintrübung von ifo Geschäftslage und -erwartungen im I. Quartal 2016 konjunkturell lethargisch: Setzt man beide Komponenten gemäß der vier Konjunkturphasen zueinander in Beziehung, droht die Euro-Konjunktur vom Boom in den Abschwung abzurutschen.
Grafik: ifo Konjunkturmatrix der Eurozone

In den Iden des März kommt es zum Zinsschwur der Fed

Wenn aus Zins-Falken -Tauben werden
Vor diesem nationalen und internationalen Konjunkturhintergrund hat sich die Tonlage einzelner Mitglieder der Fed bereits Richtung Taubengurren geändert. Frau Yellen bekommt sozusagen auf einem silbernen Tablett starke Argumente geliefert, den Zinserhöhungstrend zumindest auszusetzen. Der konkrete Anlass dazu bietet sich im Rahmen der nächsten Fed-Sitzung. Dann könnte man mit der Senkung der US-Inflations- und Wachstumsprojektionen sogar den Nährboden für ein vorzeitiges Ende ihrer Zinserhöhungspolitik bereiten.







Aktuelle Marktlage - Die Fed könnte einen positiven Dominoeffekt bei Aktien auslösen
US-Notenbankpräsidentin Yellen würde damit zu einer Verkettung glücklicher Umstände an den Aktienmärkten beitragen. Wenn sie von weiteren Zinserhöhungen absieht, wird der US-Dollar seinen Aufwertungsdrang umkehren. Damit würde zunächst die Kapitalflucht aus den Schwellenländern Richtung USA eingedämmt. Gleichzeitig fällt es den Schwellenländern leichter, ihren Schuldendienst auf US-Dollar-Basis durchzuführen. Nicht zuletzt erholt sich dann der Ölpreis, der sich grundsätzlich entgegengesetzt zum US-Dollar entwickelt.
Grafik: US-Dollar, handelsgewichtet und Ölpreis Brent

Ein bisschen mehr Ölförderdisziplin täte gut
Mit erneut steigenden - wenn auch nicht drastischen - Ölpreisen gewinnen die Rohstoffländer wiederum an weltkonjunktureller Kaufkraft, ohne die Industrieländer aber zu sehr in puncto Rohstoffeinkauf zu schädigen. Dieser Positiveffekt würde sich noch verstärken, wenn sich die Perspektive eines bislang unbestätigten Abkommens zwischen der OPEC und Russland bezüglich Förderkürzungen von je fünf Prozent bestätigen würde. Grundsätzlich wird eine einvernehmliche Produktionskürzung aufgrund des untragbaren ruinösen Wettbewerbs ohnehin immer wahrscheinlicher. Ansonsten verlieren am Ende alle Ölförderländer. Kommt es zu einem Abbau des seit Sommer 2014 bestehenden Angebotsüberhangs, wäre das mit spürbaren Entspannungseffekten beim Ölpreis verbunden.
Grafik: Öl-Angebot und Nachfrage weltweit und Ölpreis Brent
Diese Markteinschätzung setzt sich auch am Öl-Terminmarkt allmählich durch.
Grafik: Netto-Long-Positionen am Rohöl-Terminmarkt und Ölpreis Brent
Wieder steigende Ölpreise kämen über anziehende Gewinne auf dem US-Energiesektor letztlich auch dem US-Aktienmarkt fundamental zugute. Denn die verhaltene Gewinnentwicklung von Corporate America seit Ende 2014 ist zu einem Großteil dem schwachen US-Energiesektor zuzuschreiben.
Grafik: Gewinnwachstum US-Energiesektor und US-Gesamtaktienmarkt



Wenn sich China mit Kommandowirtschaft auskennt, ist jetzt die beste Gelegenheit, sie zu nutzen

Chinas Planwirtschaft - Nie war sie für die Anlegerstimmung so wichtig wie heute
Chinas vermeintlich schwache Konjunktur wäre niemals so in den Anlegerfokus gerückt und hätte niemals die Stimmung an den Weltaktienmärkten so gedrückt, wenn Chinas Notenbank den Aktienmarkt seit Jahresanfang vor dem Kollaps bewahrt hätte. So hat man aber unnötigerweise schlafende Hunde geweckt und überskeptische Fragen zur chinesischen Wirtschaft mit Streueffekten weltweit zugelassen. Und dabei ist der chinesische Aktienmarkt nicht mehr als ein Spielcasino, dass die Wirtschaftsstärke Chinas definitiv nicht abbildet. Wird jedoch die Stimmung der Aktionäre Chinas lange genug geschädigt, darf man sich über Kollateralschäden für eine an sich stabile realwirtschaftliche Situation nicht wundern. Wenn sich die KP Chinas mit Planwirtschaft auskennt, muss sie diese jetzt auch bei der Stabilisierung des chinesischen Aktienmarkts praktizieren. Dann beruhigen sich auch die konjunkturellen Gemüter wieder. An dieser künstlichen Befruchtung der westlichen Art kommt selbst China nicht mehr vorbei.

Tatsächlich hat die People’s Bank of China gegenüber den westlichen Notenbanken noch deutliches Nachholpotenzial, um nicht nur qualitativ über Zinssenkungen, sondern insbesondere quantitativ über eine Liquiditätsoffensive Chinas Finanzmärkte und damit Konjunktur zu stabilisieren.
Grafik: Bilanzsummen der Notenbanken, indexiert





Die Aktienmärkte sind überverkauft - Der Bärenmarkt verliert an Kraft
Grundsätzlich sind die Aktienmärkte überverkauft. Gemäß des von der BNP Paribas veröffentlichten Love-Panic Market Timing Indikators für den US-Aktienmarkt - er liefert Anhaltspunkte für Aktienkäufe, sobald der Index ab der Schwelle von minus 20 in den Panic-Bereich fällt und für Verkäufe bei einem Überschreiten der Schwelle von 20 in den Love-Bereich - ist auf Sicht der nächsten sechs Monate wieder mit steigenden Kursen zu rechnen.
Grafik: Love-Panic-Indikator und US-Aktienmarkt
Ohnehin gibt es aufgrund des renditeschwachen Zinsvermögens keine Alternative zu Aktien, was ein Vergleich der Dividendenrenditen von DAX bzw. Euro Stoxx 50 von rund 3,5 bzw. 4 Prozent mit der Negativrendite 5-Jähriger deutscher Staatsanleihen, die sogar unter Tagesgeld-Niveau liegt, verdeutlicht.
Grafik: Dividendenrendite von DAX und Euro Stoxx 50 gegenüber 5-jährigen Zinspapieren



Charttechnik DAX und Euro Stoxx 50 - Die Bewährungsprobe
Charttechnisch liegen im DAX auf der Oberseite erste Widerstände bei 9.563, in der Kurslücke zwischen 9.884 und 9.929 und darüber in der Zone zwischen 10.087 und 10.123 Punkten. Darüber warten weitere Barrieren bei 10.208, 10.253 und 10.486 Punkten. Unterstützungen findet der DAX dagegen im Bereich zwischen 9.325 und 9.314 sowie schließlich bei 8.719 Punkten.

Der Euro Stoxx 50 trifft bei 2.950, am kurzfristigen Abwärtstrend bei aktuell 3.043 Punkten und darüber bei 3.137 sowie 3.200 Punkten auf Widerstand. Auf der Unterseite liegen Unterstützungen bei 2.850 und 2.550 Punkten.















Der Wochenausblick für die KW 6 - Wachstums-Check für die Eurozone
In der Eurozone unterstreichen die schwächeren BIP-Zahlen für das zurückliegende IV. Quartal 2015 die konjunkturellen Abwärtsrisiken. Entsprechend verhalten zeigt sich das Investorenvertrauen laut Finanzdatenanbieter Sentix. Insbesondere in Deutschland dürfte sich das Wirtschaftswachstum im IV. Quartal abgeschwächt haben. Die Industrieproduktion sowie die Exporte für Januar deuten auf einen schwachen Jahresstart hin.


Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank
HALVERS WOCHE
Welche Bedeutung hat die US-Präsidentschaftswahl 2016 überhaupt noch für die Aktienmärkte?
US-Wahlkämpfe sind etwas Besonderes. Illustre Kandidaten besetzen die gesamte politische Farbpalette von links bis rechts, von ultraliberal bis erzkonservativ und tief religiös. In Vorwahlen zerfleischen sich dann die Kandidaten des demokratischen bzw. republikanischen Lagers, damit sich offensichtlich die Spreu vom Weizen trennt: Die oder der vermeintliche Beste soll in das Rennen um den Präsidentenposten geschickt werden.

Besonders „herzerfrischend“ ist der Polit-Neuling - besser gesagt Outlaw - Donald Trump. Seine klar und einfach formulierten „Botschaften“ würden in Europa vermutlich Massenproteste auslösen. Dennoch gehen amerikanische Freunde von mir das erste Mal seit langer Zeit wieder zu Wahlkampfveranstaltungen, nicht weil sie Trump unbedingt für den besten Präsidentschaftskandidaten halten, sondern weil seine Show-Auftritte jede Show in Las Vegas schlagen.









Donald Trump als Ronald Reagan 2.0
Im Land der unbegrenzten Polarisierung hat Trump einen Trumpf
Er feiert sich als Gegenpol zu einem glatt gelutschten Washingtoner Polit-Apparat, der vielen Amerikanern verhasst ist. Donald ist die ehrliche Haut, der aber so richtig gegen den politisch korrekten Strich bürstet. Nicht zuletzt ist er das Sinnbild dafür, niemals aufzugeben: Er war Milliardär, dann fast pleite und heute wieder Milliardär. Ein gelebter amerikanischer Traum, oder?

Donald Trump erinnert mich an Ronald Reagan. Auch er war ein politischer Neuling, wenn man einmal von seinem Amt als Gouverneur im showtime state California absieht. Ich denke zurück an Reagans polarisierenden Wahlkampf 1980. Mit seiner Marktradikalität zeigte er dem damals vorherrschenden Zeitgeist des nachfrageorientierten Keynesianismus die dunkelrote Karte. Und niemals zuvor hat ein Präsidentschaftskandidat der damaligen Sowjetunion so eiskalt lächelnd klar gemacht, dass sie den Kalten Krieg mit Pauken und Trompeten verlieren wird.











































Wiederauflage des Duells Jimmy Carter gegen Ronald Reagan?
Heißt es im US-Wahlkampf bald wieder „Freiheit statt Sozialismus“?
Den Vorwahlen im Bauernstaat Iowa wird vielfach eine ähnliche Signalwirkung für die Kür zum Präsidentschaftskandidaten zugebilligt wie Alcoa - weil es seine Ergebnisse als erstes Unternehmen bekannt gibt - für die gesamte US-Berichtsaison. Aber so wie der Aluminiumwert natürlich kein Indikator für Ergebnisse von Banken, Konsum- oder Telekomwerten sein kann, kann auch die Vorwahl in Iowa keinen validen Hinweis auf die Kandidatenauswahl geben. Wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn der Bibel treue Ted Cruz im bible state Iowa nicht gegen den weniger „christlich“ auftretenden Trump gewonnen hätte?

Viel überraschender - und dennoch nicht unbedingt wegweisend - ist das Ergebnis von Iowa für das demokratische Lager. Hillary Clinton liegt nur knapp vor Bernie Sanders. Dabei sollte sie als Ex-First Lady und Ex-Außenministerin, die sich in Washington genauso perfekt auskennt wie in ihrer Handtasche, eigentlich doch die logische, erste Wahl der Demokraten sein, oder? Und dennoch gilt sie bei vielen demokratischen Wählern als „more of the same“, eine fortsetzende Kopie der Politik Barack Obamas, dessen Fähnchen „Yes, we can“ längst auf Halbmast hängt. Außerdem ist vielen die Häufung von Präsidentenämtern im Clinton-Clan ein Dorn im Auge.

Überhaupt scheint sich gerade bei vielen Jungwählern zwischen 18 und 34, die nach Umfragen zu unglaublichen 49 Prozent Sozialismus gegenüber Kapitalismus bevorzugen und sich mehrheitlich der Occupy-Bewegung verbunden fühlen, ein neuer Zeitgeist auszuprägen. Amerikanische Gesellschaftsforscher sprechen bereits von der zweiten Hippie-Generation. Ihre Altersgruppe hat die bislang stärkste Wählergruppe - die Baby Boomer-Generation der heute 45- bis 65-jährigen - längst überholt. Und für sie kam, sah und soll siegen der demokratische Clinton-Herausforderer Bernie Sanders. Dieser frühere Underdog ist heute ihr Popstar wie früher Jimmy Hendrix in Woodstock. Er bezeichnet sich selbst als demokratischen Sozialisten - dabei ist „Sozialismus“ in den USA doch eigentlich das Unwort jedes Jahres - und fordert doch tatsächlich eine radikale Anhebung des Mindestlohns, kostenlose Universitäten, staatlich bezahlte Elternzeit und anderes „linkes“ Teufelszeug. Und doch hat der „Sozialist“ Bernie Sanders mit Kleinspenden im letzten Quartal 2015 knapp 34 Millionen Dollar eingesammelt und liegt damit nicht wesentlich hinter Hillary Clinton mit ihren 38 Millionen. Wow!

Nun, es wird noch viel Wasser den Potomac River in Washington herunterfließen, bis wir wissen, welche Kontrahenten sich im Kampf um das White House duellieren. Die republikanischen Kandidaten liegen so nah beieinander, dass auch Donald Trump noch alle Chancen hat, republikanischer Präsidentschaftskandidat zu werden. Erst nach dem „Super Tuesday“ am 1. März, wenn in 15 US-Bundesstaaten Vorwahlen stattgefunden haben, dürfte Klarheit herrschen. Wäre es nicht wie in einem packenden Hollywood-Streifen, wenn es erneut zu einem polarisierenden Wahlkampf wie zwischen Jimmy Carter und Ronald Reagan 1980 kommen würde: Auf der republikanischen Seite der konservative und sendungsbewusste Donald Trump und bei den Demokraten der Volkstribun der neuen amerikanischen Linken Bernie Sanders.

Ich vermute jedoch, dass die Demokraten letztendlich Mrs. Clinton nominieren werden. Sie hat nicht nur das weniger „sozialistische“ und damit massenkompatiblere Wahlprogramm, sondern am Ende auch am meisten vom schnöden Mammon.
















Das bekannte Aktien-Freund- und -Feind-Bild bekam spätestens mit Bill Clinton Risse
Das sich hartnäckige haltende Cliché: Republikaner sind besser für US-Aktien
Beharrlich wie Kaugummi am Schuh hält sich das Cliché, dass Republikaner besser für die US-Wirtschaft und amerikanische Aktien seien. Ad hoc scheint das einleuchtend zu sein, gelten sie doch als wirtschaftsliberal und weniger staatsfreundlich. Dieser Mythos geht insbesondere auf die Wirtschaftspolitik Reagans - die sog. Reagonomics - zurück, die zweifelsohne in den 80ern eine fulminante Aktienhausse lostraten.

Aber ehrlich gesagt stand Reagans angeblich neoklassischer Wirtschaftsansatz nicht nur für dramatische Steuersenkungen. Im Gegenteil, die für damalige Verhältnisse dramatische Staatsverschuldung der USA und gigantische Ausgabenerhöhungen vor allem für Rüstung waren eindeutig aus dem Lehrbuch von Keynes abgeschrieben.

Die üblichen Aktien-Freund- und -Feind-Bilder bekamen spätestens mit der Präsidentschaft des Demokraten Bill Clinton Risse. Ausgerechnet er als „Linker“ glich den US-Staatshaushalt aus. Und mit einem Anstieg des S&P 500 um über 200 Prozent war Clinton der erfolgreichste US-Aktien-Präsident seit Ende des II. Weltkriegs. Allerdings konnte er nichts dafür: Ihm flogen die gebratenen Tauben des post-industrielle Zeitgeistes - New Economy - direkt in den Mund und eine hartnäckige Affäre nahm ihm wohl einfach die Zeit, linke Wirtschaftspolitik zu betreiben.

Die Aktien-Scherben der New Economy musste nicht mehr er, sondern sein Nachfolger Bush jr. aufkehren, den auch noch das Platzen der Immobilienblase heimsuchte. Mit ca. 40 Prozent Aktienverlust gewann ausgerechnet ein Republikaner die Goldene Himbeere des schlechtesten Aktien-Präsidenten der USA. Sein Nachfolger, der Demokrat Barack Obama, wurde anschließend unfreiwillig zum neuen Alltime-High-Präsidenten. Und dabei hatte er es doch aus ideologischen Gründen immer strikt vermieden, der Wall Street einen Besuch abzustatten.



Demokratische Präsidenten: Des US-Aktionärs tatsächlicher Liebling
Verkehrte Welt: Seit 1945 sind Demokraten die besten US-Aktien-Präsidenten
Ja, insgesamt hätte man seit Ende des II. Weltkriegs unter demokratischen Präsidenten deutlich mehr Geld mit US-Aktien als unter Republikanern gemacht: Hätte man am Tag des Endes des II. Weltkriegs am 2. September 1945 zwei Depots mit jeweils 100 US-Dollar eröffnet, diese 1 zu 1 in den S&P 500 investiert und das eine nur zu Amtszeiten von demokratischen und das andere nur zu republikanischen US-Präsidenten laufen lassen, hätte das demokratische das republikanische Depot bis dato mit 2.370 zu 523 US-Dollar meilenweit geschlagen. Mit „linken“ Demokraten, die vom Glück des Zeitgeists gestalkt wurden, hätte man also mehr als viereinhalb so viel verdient wie mit „wirtschaftsliberalen“ Republikanern.
GRAFIK DER WOCHE
Was wurde aus 100 US-Dollar, 1 zu 1 in den S&P 500 nach Ende des II. Weltkriegs, unter jeweils demokratischen bzw. republikanischen US-Präsidenten
Grafik: Was wurde aus 100 US-Dollar, 1 zu 1 in den S&P 500 nach Ende des II. Weltkriegs, unter jeweils demokratischen bzw. republikanischen US-Präsidenten













Politiker sind für die Aktienentwicklung nicht mehr wirklich entscheidend
Ist es wirklich von Bedeutung, ob Hillary Clinton oder Donald Trump gewinnt?
Vor diesem Hintergrund ist es für mich ausgemachter Humbug, die Wahl von Clinton oder Sanders bzw. von Cruz, Trump oder Rubio als verlässliche Einflussgröße für die Aktienentwicklung in den USA ab 2017 anzuerkennen. Es hängt viel, viel zu viel vom Status der Konjunktur- und Finanzwelt, geopolitischen Krisen oder -entspannungen in China, Russland oder im Nahen Osten und natürlich von der Geldpolitik ab. Wer will denn vor diesem unsicheren Hintergrund allen Ernstes den US-Aktienmarkt bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode 2020 prognostizieren? Zu erraten, wie viel echte Haare Trump auf seinem Kopf trägt, wäre einfacher.

Allein auf die handelnden Personen bezogen, ist Frau Clinton sicher berechenbarer. Ihr Fokus auf stärkerer Regulierung von Banken, Steuererhöhungen für hohe Einkommen und kritische Töne zum Freihandelsabkommen mit Europa und Asien werden keinen Anleger überrascht hinter dem Ofen hervorlocken, auch weil jeder Anleger weiß, dass eine revolutionäre Abkehr von Obamas Politik nicht zu erwarten ist.













Nichts wird in der Amtszeit so heiß gegessen wie es im Wahlkampf gekocht wurde
Schwieriger dagegen ist es, Polit-Neuling Donald Trump einzuschätzen. Seine beabsichtigte, auf Vormachtstreben ausgerichtete Außenpolitik mag so manchen Anleger irritieren, ja sogar Angst machen. Ich behaupte aber, dass ein Präsident Trump kein Elefant sein wird, der alles nieder-Trump-elt. Es sei erneut an Ronald Reagan erinnert: Seine anfänglichen anti-kommunistischen Verbalentgleisungen - wie z.B. die Sowjetunion als Reich des Bösen zu bezeichnen - wandelten sich in späterer Regierungszeit zu fast Friedenstauben ähnlichem Gesäusel. Er hatte erkannt, dass eine zu knallharte Konfrontation zum militärischen Super-GAU hätte führen können. Und 1983 stand die Welt - wie man heute weiß - kurz davor.


















Geldpolitiker sind für die Aktienmärkte relevant und sie sind bereits gewählt
Werden die Schwellenländer oder Deutschland niederge-Trump-elt?
Und vor einem knallharten Wirtschaftsprotektionismus Trumps zur Verteidigung der marktwirtschaftlichen Freiheit gegen China oder Deutschland muss auch niemand wirklich Angst haben. Amerika hat mittlerweile auch die Freuden des Exports - den Schwellenländern sei Dank - entdeckt. Der Einseitigkeit kreditfinanzierten Konsums will man entkommen.

Überhaupt, die eigentliche „Drecksarbeit“ der Politik wird immer von Experten im Hintergrund gemacht, denn die kennen sich mit allen rechtlichen Hemmnissen und globalen Fallstricken aus. Die Experten würden Trump schon die Flötentöne der politischen Realität beibringen. Schon viele wilde politische Ideen sind am Bürokratie-Fels von Washington zerschellt. Nicht zuletzt wechselt die Kongressmehrheit in den USA gerne zur entgegengesetzten politischen Farbe des Präsidenten und kann so die Farbechtheit seiner Politik verwischen. Diese Erfahrung musste selbst Reagan machen.

Insgesamt hat für mich die US-Präsidentschaftswahl 2016 deutlich weniger Schicksalhaftes für die Aktienmärkte - auch für die europäischen und deutschen Aktienmärkte - als heute vielfach angenommen.

Die wirklich einflussreichsten Personen für die Aktienmärkte heißen nicht Clinton oder Trump, sondern Yellen und Draghi. Und die sind bereits gewählt.


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Redaktion:
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Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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